Unterwegs auf zwei Rädern zwischen Nordsee und Ostsee: Fahrradtour auf dem Wikinger-Friesen-Weg

Wenn der Spätsommer Schleswig-Holstein in warmes Licht taucht, beginnt eine der schönsten Jahreszeiten für ausgedehnte Radtouren. Die Felder leuchten goldgelb, in den Flusslandschaften ziehen erste Nebelschleier auf und eine frische Brise erinnert daran, dass Nord- und Ostsee niemals weit entfernt sind. Genau jetzt entfaltet der Wikinger-Friesen-Weg seinen besonderen Zauber.

Ein Pfahlbau steht im flachen Wasser vor der Küste. Über dem bewegten Meer treffen dunkle Wolken auf rosa-orange beleuchtete Wolken am Abendhimmel.
© Ulla Moswald

Auf rund 173 Kilometern verbindet der Radfernweg zwei Meere miteinander. Von den weiten Stränden in St. Peter-Ording führt die Route quer durch das Binnenland bis ins Fischerdorf Maasholm an der Ostsee. Dazwischen wartet eine erstaunliche Vielfalt: Marschlandschaften, Flussauen, kleine Städte, historische Orte und die sanften Hügel der Schleiregion wechseln sich ab. Und unterwegs bietet sich so manche Gelegenheit für eine Zeitreise in die Epoche der Wikinger.

Eine Frau und ein Mann fahren mit Fahrrädern über eine gepflasterte Straße in Friedrichstadt. Im Hintergrund stehen historische Giebelhäuser; eine große Trauerweide säumt den Weg.
© sh-tourismus.de

Vom Wattenmeer bis zur Schlei

Schon kurz nach dem Start an der Nordsee wird deutlich, warum dieser Radfernweg so abwechslungsreich ist: Hinter den Deichen folgen der historische Hafen von Tönning und etwa 20 Kilometer weiter das charmante Friedrichstadt mit seinen Grachten. Anschließend öffnet sich die weite Landschaft der Eider-Treene-Sorge-Region – ein Paradies aus Flüssen, Wiesen und stillen Dörfern, in dem Kraniche, Störche und jede Menge norddeutsche Gelassenheit zu Hause sind.

Später verändert sich die Landschaft erneut. Rund um die Schlei wird es etwas hügeliger, kleine Reetdachdörfer schmiegen sich ans Wasser und der Blick schweift immer wieder über den langen Ostseefjord, der zu den schönsten Naturräumen Schleswig-Holsteins zählt.

Rekonstruierte Wikingerhäuser mit hohen Reetdächern im Freigelände des Wikinger Museums Haithabu.
© Beate Zoellner

Unterwegs auf den Spuren der Wikinger

Der Name des Radfernwegs kommt nicht von ungefähr. Entlang der Strecke begegnet die Geschichte immer wieder ganz selbstverständlich dem Alltag. Einer der eindrucksvollsten Zwischenstopps ist das Wikinger Museum Haithabu. Gemeinsam mit dem Danewerk gehört der ehemalige Handelsplatz seit 2018 zum UNESCO-Welterbe.

Im modernen Museum und auf dem historischen Außengelände mit rekonstruierten Langhäusern wird lebendig, warum Haithabu einst zu den bedeutendsten Handelszentren ganz Nordeuropas zählte. Ein Ort, an dem Geschichte nicht hinter Vitrinen verschwindet, sondern zwischen Landebrücke, Werkstätten und Wohnhäusern greifbar wird. Begnadete Handwerker, Jäger und Entdecker waren die Nordmänner und -frauen! Wer mag, darf sich hier an den vielen Aktionstagen im Bogenschießen, Pfeileschnitzen oder Brotbacken im Lehmofen versuchen. 

Zwei Fahrräder mit Helmen und Gepäck stehen auf einem Holzsteg am Wasser. Am gegenüberliegenden Ufer erstreckt sich ein dicht bewaldeter, grüner Uferstreifen.
© sh-tourismus.de/MOCANOX

Fahrtwind und Weitblick

Der Wikinger-Friesen-Weg eignet sich sowohl für eine mehrtägige Radreise als auch für einzelne Etappen. Rastplätze, gemütliche Unterkünfte und zahlreiche Einkehrmöglichkeiten laden dazu ein, das eine oder andere Päuschen auch einfach mal ein bisschen auszudehnen. Ein Fischbrötchen am Hafen, ein paar Schwimmzüge im See, Bernsteinschleifen im Wikingerdorf – gute Gründe für Zwischenstopps gibt es hier wie Sand am Meer und Möwen am Himmel.

Vielleicht ist genau das das Schönste an dieser Route: Sie verbindet nicht nur Nordsee und Ostsee, sondern auch Natur und Kultur, Geschichte und Genuss – und zeigt mit jedem geradelten Kilometer, wie abwechslungsreich Schleswig-Holstein ist.

Tipps und Links

Porträt von Tina Ott

Autorin

Tina Ott

Dem Geburtsort im Ausweis zufolge mag sie zwar eine Karlsruher Suppennudel sein. Aber Tina ist seit Jahrzehnten mit Leib, Seele und Vokabular eingenordet: zu Hause in Kiel, glücklich bei Meerblick und gleichermaßen vernarrt in die norddeutsche Landschaft wie in den trockenen Humor der Menschen, die zwischen den Meeren leben und lachen.