Wenn sich Raureif über Wiesen legt, Atemwolken die Luft zeichnen und Städte ein wenig leiser wirken als sonst, ist die ideale Zeit für einen winterlichen Städtetrip gekommen.
Drei Tipps für einen märchenhaften Städtetrip nach Ahrensburg
Ahrensburg, im Südosten Schleswig-Holsteins gelegen und Teil des Hamburger Speckgürtels, zeigt sich dann von einer besonders charmanten Seite. Als größte Stadt des Kreises Stormarn verbindet sie Geschichte, Kultur und Natur auf kurzen Wegen. Perfekt für ein Wochenende mit Zeitreisecharakter. Zwischen Moderne und Alltag blitzen bis heute viele historische Facetten auf. Drei davon lassen sich im Winter besonders stimmungsvoll entdecken.
Schloss Ahrensburg: Geschichte wie aus dem Bilderbuch
Schneeweiß erhebt sich Schloss Ahrensburg seit fast viereinhalb Jahrhunderten über der Stadt. Im Mittelalter war die Gegend von Dorf- und Klosterleben sowie von Leibeigenschaft geprägt; Grafen und Klostervögte bestimmten die Geschicke der Menschen. Einen Wendepunkt markierte das Jahr 1567, als der dänische König seinen Feldherrn Daniel Rantzau mit der Herrschaft über die umliegenden Dörfer belohnte. Dessen Bruder Peter Rantzau ließ 1595 den Renaissance-Herrensitz als Wasserburg samt Schlosskirche errichten – heute Wahrzeichen der Stadt.
Nach finanziellen Schwierigkeiten der Familie Rantzau ging das Gut an den Kaufmann Heinrich Carl von Schimmelmann über, der es barock umgestalten ließ. 1938 wurde das Schloss verkauft, blieb jedoch als Kulturdenkmal erhalten. Nach einer kurzen Nutzung als britisches Hauptquartier 1945 wurde es später in eine Stiftung bürgerlichen Rechts überführt. Heute ist Schloss Ahrensburg Museum, Veranstaltungsort, Treffpunkt und somit ein lebendiges Bindeglied zwischen gestern und heute. Und während Erwachsene Geschichte atmen, flitzen kleine Nachwuchshistoriker und Mini-Prinzessinnen durch die ehrwürdigen Gänge.
Kulturzentrum Marstall: lebendige Kultur gleich nebenan
Nur wenige Schritte vom Schloss entfernt liegt der Marstall – ein Ort, an dem Kultur für alle gelebt wird. Der gemeinnützige Verein steht für Soziokultur, die Förderung regionaler Kulturschaffender und ein beeindruckend breites Programm: Musik, Theater, Kino, Literatur, Kabarett, Tanz, Kleinkunst, Ausstellungen und Vorträge. Bekannte Künstler treffen hier auf Nachwuchstalente, getragen von großem ehrenamtlichem Engagement.
Das Gebäudeensemble entstand 1845/46 als Teil des ehemaligen Gutsdorfs Woldenhorn. Vom Schloss aus blickt man auf die Stadthalle, den älteren Teil des Marstalls, in dem heute vor allem zeitgenössische Kunst gezeigt wird. Rechts und links schließen sich die Remisen an, einst Kutschenhallen, heute Veranstaltungsräume. Dahinter liegt die ehemalige Reithalle, nun das moderne Herzstück des Kulturzentrums. Geschichte und Gegenwart gehen hier eine ebenso harmonische Verbindung ein wie drinnen Kultur und draußen Winterkälte.
Tunneltal: Spaziergang durch Natur und Urgeschichte
Wer noch weiter zurück in der Zeit reisen möchte, verlässt das Stadtzentrum und betritt das Tunneltal. Das rund sieben Kilometer lange und bis zu zwei Kilometer breite Tal entstand vor etwa 15.000 Jahren am Ende der letzten Eiszeit, als Schmelzwasser sich seinen Weg unter dem Eis bahnte. Heute durchziehen Wandse, Stellmoorer Quellfluss und Hopfenbach die geschützten Niederungen.
Zwei Bundesländer reichen sich hier buchstäblich die Hand. Denn das vollständig unter Naturschutz stehende Gebiet verbindet Hamburg und Schleswig-Holstein auf einem gemeinsamen Areal. Knicks, Feuchtwiesen und Feldgehölze bieten bedrohten Pflanzen und Tieren heute einen wichtigen Rückzugsraum. Gleichzeitig ist das Tunneltal archäologisch einzigartig: In kaum einem anderen Gebiet finden sich so viele Fundstätten aus der jüngeren Altsteinzeit. Stein-, Holz- und Knochengeräte der Rentierjäger sowie Jagdbeutereste erzählen von einem Leben lange vor unserer Zeit. Im Winter, wenn Raureif die Landschaft überzieht, wirkt diese Urgeschichte besonders greifbar.
Ein leiser Abschied mit summender Vorfreude
Nach einem winterlichen Streifzug durch Ahrensburg kehrt man erfüllt zurück: von Geschichte, Kultur und Natur. Und während man die zauberhafte Winteratmosphäre genießt, darf ein wenig Vorfreude auf den Frühling mitschwingen – auf das erste Grün, das Summen der Bienchen. Eine ganz besondere Biene gehört schließlich zu Ahrensburg: Waldemar Bonsels, Sohn der Stadt, schenkte der Welt 1912 „Die Biene Maja und ihre Abenteuer“. Wer genau hinhört, wird die freche junge Dame im Ringelpulli schon in wenigen Wochen leise zwischen Schloss, Marstall und Tunneltal herumsummen hören.
Tipps speziell für kleine Abenteurer, Entdecker und Burgfräuleins
Das Schloss Ahrensburg hat verschiedene Angebote für Kids:
Sachensucher: An der Museumskasse bekommt man Kärtchen, die Bildausschnitte von Schlossgegenständen zeigen, die es zu finden gilt.
Audioguide: Bei dieser unterhaltsamen Führung durchs Schloss kommen abwechselnd eine Kinderstimme und die Schlossmöbel zu Wort.
Märchenrallye: Dieser Rundgang führt entlang mehrerer Rätselstationen. Wer das Lösungswort ermittelt, darf sich auf einen magischen Lohn freuen.
Entdecker-Tour rund ums Schloss: Hier geht es kreuz und quer durch den historischen Schlosspark. Der Einsatz wird mit einem druckfrischen Schloss-Entdecker-Diplom belohnt.
Von Tina Ott
Dem Geburtsort im Ausweis zufolge mag sie zwar eine Karlsruher Suppennudel sein. Aber Tina ist seit Jahrzehnten mit Leib, Seele und Vokabular eingenordet: zu Hause in Kiel, glücklich bei Meerblick und gleichermaßen vernarrt in die norddeutsche Landschaft wie in den trockenen Humor der Menschen, die zwischen den Meeren leben und lachen.