Familie Hinrichs mit ihrem Traktor bei der Ernte auf einem Feld © Sven Wied / Raufeld Medien© Sven Wied / Raufeld Medien

Ge­mü­se­hof Hin­richs: Der Ge­schmack des Nor­dens ist hier Fa­mi­li­en­sa­che

Das Meer mit seiner frischen Brise ist nicht weit. Das schmeckt man, beteuern Anke und Peter, die gemeinsam mit ihren Söhnen Hauke und Sönke auf ihrem Hof in Schmedeswurth bei Brunsbüttel verschiedene Gemüsearten und Kartoffelsorten anbauen. Ein Gespräch über Talente innerhalb der Familie, über bodenschonenden Gemüseanbau und den Geschmack des Nordens.

„Die Regenwürmer sind unsere besten Mitarbeiter“

 

Seit 250 Jahren ist der Hof ein Familienbetrieb. Wie gehen Sie mit Veränderungen um?

Peter Hinrichs: Unsere Vorfahren haben 1770 den Grundstein gelegt. Seitdem wird der Hof von Generation zu Generation weitergegeben. Jeder Hofnachfolger hat neue Ideen und Gedanken, das ist unsere Stärke. Wir gehen gelassen mit Veränderungen um. Meine Frau und ich haben das Glück, dass unsere beiden Söhne sehr an der Landwirtschaft interessiert sind und den Familienbetrieb weiterführen wollen.

Landwirtschaft ist ja immer auch eine Herzensangelegenheit, es geht nie nur ums Geldverdienen.

Familie Hinrichs auf dem Feld © Sven Wied / Raufeld Medien© Sven Wied / Raufeld Medien

Sie arbeiten jeden Tag zusammen, ein Leben lang. Wie geht das, ohne dass man sich auf die Nerven geht?

Peter Hinrichs: Jeder hat eigene Begabungen; so sind auch die Aufgaben verteilt. Unser Ältester, Hauke, kann gut delegieren, managen und ist im Umgang mit den neuen Medien und der Vermarktung sehr talentiert. In Elmshorn – nicht weit von Hamburg entfernt – hat er übrigens im vorigen Jahr seinen eigenen Hofladen eröffnet, in dem er unsere gemeinsam erzeugten Produkte verkauft.

Sönke, der Jüngere, ist der Ackerbauer und mit dem Boden verwurzelt. Er hat im Gefühl was zu tun ist, damit etwas richtig gut wird. Auch ein Landwirt mit Leib und Seele. Meine Frau Anke kümmert sich um unseren Hofladen. Das selbst angebaute Gemüse und die Kartoffeln werden liebevoll präsentiert – das ist ihr Ding. Wichtig ist, miteinander zu arbeiten. Wir besprechen alle wichtigen Angelegenheiten innerhalb der Familie. Dafür nehmen wir uns die Zeit.

Anke Hinrichs: Vor etwa 20 Jahren haben wir angefangen unsere Waren direkt zu vermarkten. Wir wollten nicht nur anonymer Lieferant unseres Gemüses sein, sondern den direkten Kontakt zum Kunden suchen. In kleinen Schritten bauten wir die Direktvermarktung immer weiter aus: alles begann mit einer Kohlkiste an der Straße. Bald darauf nutzten wir unseren Hofplatz zum Verkauf – heute sind wir im früheren Pferdestall. Ich schätze den Austausch mit unseren Kunden; mich interessiert, ob unsere Vielfalt ihnen schmeckt und was besonders gut ankommt.

Papiertüten gefüllt mit Kartoffeln im Hofladen der Familie Hinrichs © Sven Wied / Raufeld Medien© Sven Wied / Raufeld Medien

In Ihrem Hofladen kann man immer wieder neue Rezepte entdecken. Wer denkt sich die aus?

Anke Hinrichs: ich notiere ein Rezept auf der Schiefertafel im Laden – und die Kunden fotografieren es mit ihrem Handy ab. Das sind aber nicht nur meine eigenen Ideen, manchmal tragen auch die Kunden ein Rezept bei. Eines meiner liebsten ist übrigens ganz einfach: eine Art Chop Suey mit Weißkohl, den ich mit Ingwer, Sojasauce und braunem Zucker zu einer Kohlpfanne verarbeite. Unsere „Ackerpille“ eignet sich dafür besonders gut. Dieser Kohl ist sehr zart und bekömmlich.

Was bedeutet Nachhaltigkeit für Sie?

Peter Hinrichs: Wir gehen mit Ruhe und Herzblut ans Werk. Wir warten auch mal einen Tag mit der Aussaat oder der Ernte ab. Wir handeln nach Gefühl. Vor allem pflegen wir unseren Boden. Das heißt, wir nutzen Landmaschinen, die nicht so groß und schwer sind.

Bei Hochtechnologie denken immer alle an die neusten Computer. Die Reifentechnologie ist aber genauso ausgeklügelt. Experten zerbrechen sich den Kopf über den richtigen Reifendruck, der hat nämlich einen enormen Effekt.

Unsere Reifen haben einen Druck von 0,25 bar, die sind also platt wie Pfannkuchen. Nicht die Erde gibt nach, sondern der weiche Reifen. Dadurch greifen sie nicht so stark in den Boden ein und schonen die Regenwürmer. Denn wissen Sie was? Meine besten Mitarbeiter sind die Regenwürmer!

Gemüseauswahl im Hofladen der Familie Hinrichs © Sven Wied / Raufeld Medien© Sven Wied / Raufeld Medien

Das müssen Sie genauer erklären!

Peter Hinrichs: Die Würmer sorgen für einen lockeren und gut durchlüfteten Boden, weshalb wir so viel Rücksicht auf sie nehmen. Wir bearbeiten einmal im Jahr den schweren Marschboden gründlich, um für das Bodenleben günstige Bedingungen zu schaffen. Dann haben die Würmer länger ihre Ruhe; einige von Ihnen sind so lichtempfindlich, dass sie nur sieben Sekunden dem Sonnenlicht ausgesetzt sein dürfen. Daher arbeiten wir an manchen Tagen erst abends oder wenn der Himmel bedeckt ist.

Sönke Hinrichs präsentiert einen frisch geernteten Kohl © Sven Wied / Raufeld Medien© Sven Wied / Raufeld Medien

Ein Blick in Ihren Hofladen zeigt bunte Vielfalt. Lila Möhren, rote Kartoffeln, gelbe Bete, Kohl in allen Farben, und überhaupt: nicht weniger als acht Kartoffelsorten …

Peter Hinrichs: Der Gemüseanbau hat bei uns in Dithmarschen eine lange Tradition durch unsere besondere Lage. Das Seeklima sorgt für ausgewogene Wachstumsbedingungen: im Sommer wird es tagsüber nicht zu heiß und die kühlen Nächte mit dem Tau erfrischen die Pflanzen auf natürliche Weise. Der bei uns vorherrschende Westwind von der Nordsee mindert den Schädlingsdruck bedeutend.

Anke Hinrichs: Ja, unsere Pflanzen haben es schon richtig gut hier in Dithmarschen! Und das schmeckt man auch!

Wie schmeckt denn die Nordsee im Gemüse?

Anke Hinrichs: Sie schmeckt frisch, saftig du einfach ganz besonders.

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