Die neue Sehn­sucht nach der Hei­mat

am 4. November 2021 um 19:00 Uhr in Gülzow

Heimat war ein Programm in der von der Zivilisations- und Fortschrittskritik geprägten Heimatschutzbewegung der Gründerzeit – den Jahrzehnten vor und gleich nach 1900. Heimat war aber auch ein Propagandawort im Kolonialismus und im Nationalsozialismus. Nach 1945 lag diese Heimat in Trümmern – der Begriff Heimat wurde wegen seines Miss-brauchs in der Hitlerdiktatur tabuisiert. Doch Heimat wird nicht durch Programme oder Propaganda bestimmt, sondern trägt seine Bestimmung in sich selbst: Heim, Haus, Schutz, Sesshaftigkeit schwingen in diesem Wort mit – Verwurzelung in Orten und Landschaften, Beziehungen zu Menschen und zu landschaftstypischen kulturellen Ausdrucksformen. Wohl keine andere Sprache auf dem europäischen Kontinent umfasst ein so großes Spektrum an Bedeutungsfacetten wie das Deutsche. Der Begriff Heimat bringt ein anthropologisches Bedürfnis zur Geltung, gerade in einer Zeit, in der Neoliberalismus und Globalisierung uns Menschen zu ohnmächtigen Bürgern machen; in denen das Gefühl wächst, nirgendwo mehr zu Hause zu sein; in der deshalb für viele die Gefahr wächst, sich nationalistischen Positionen zuzuwenden. Der Referent wird in seinem Vortrag die Missverständnisse in Sachen Heimat analysieren. Er will zeigen, dass nichts so verletzlich ist wie unsere Heimat; dass es keine abstrakte Heimat gibt, sondern dass Heimat – auch die in unserem Kopf – immer konkret ist und deshalb verletzlich. »Wir brauchen die universelle existentielle Matrix Heimat zum Leben wie die Atemluft«, sagt Professor Reichstein. In der neuen Sehnsucht nach Heimat mache sich diese als Erfordernis bemerkbar.

 

Eine Kooperation mit dem Verein Heimatgeschichte Gülzow und dem Kreativausschuss MarktTreff.

 

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