Fischverarbeitung an Bord, © Silke Goes / Mohltied!

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Es ist noch dunkel im Hafen von Maasholm. Ein Blick aufs Handy: gerade erst 4 Uhr. Henning Petersen startet den Motor seines Fischkutters Goodenwind II. Dumpf bollernd erwacht der 300 PS starke Schiffsdiesel zum Leben. Sein Handwerk hat Henning Petersen – Markenzeichen: blaue Latzhose über freiem Oberkörper – von seinem Vater gelernt, später übernahm er dessen Kutter – einem von nur noch vier großen Kuttern mit Heimathafen Maasholm.

„Ganz, ganz schlecht“, fasst Petersen die Einkommenssituation zusammen – und schweigt. An Bord der Goodenwind II werden auch sonst keine großen Worte gemacht. Vater und Sohn sind ein eingespieltes Team. Daniel, gerade mal 20 Jahre jung, ist frischgebackener Fischwirt, als Nächstes steht das Kapitänspatent der Rendsburger Fischereischule auf seinem Karriereplan – „dass ich Fischer werd´, war immer klar für mich.“ Angst vor Wind und Wellen kennen die Petersens nicht: „Bis zu Windstärke 6 fahren wir noch raus. Aber wir sind auch schon bei viel mehr Wind auf dem Wasser gewesen – wenn man draußen ist, ist man halt draußen“, gibt Henning Petersen lakonisch zu Protokoll.

Heute ist die Ostsee zum Glück ruhig. Und als im Nordosten dunkelrot die Sonne aufgeht, wird die Stimmung an Bord sogar für einen Moment romantisch, zumindest bei uns Passagieren. „Da kommt sie über die Kante“, kommentiert Henning Petersen trocken. Und dann heißt es für ihn und seinen Sohn: Anpacken – das große Schleppnetz muss raus. Nun heißt es Warten. Denn trotz aller Erfahrung: Was am Ende im Netz steckt, können auch die Petersens nicht vorhersagen. „Wir hatten schon mal ´n Torpedo drin – und auch ´n Toten haben wir schon hochgeholt“, fasst Henning Petersen die größten Überraschungen der letzten dreißig Jahre zusammen.

Um Viertel nach neun wird es an Bord hektisch. Vater und Sohn schlüpfen in ihr Ölzeug – und dann wird die Motorwinde wieder angeschmissen. Und schnell wird klar: Die vielen Stunden – und die vielen Liter Diesel – waren heute schlecht investiert. Nur spärlich ist die Meeresbeute. „Wenn ´n bisschen mehr drin gewesen wäre, hätt´ ich das Netz noch mal rausgesetzt“, bilanziert Henning Petersen. Stattdessen nehmen wir wieder Kurs auf Maasholm. Am Hafen warten schon Fischliebhaber auf frische Ware. Schnell sind einige Kilo über die Bordkante verkauft, der Rest geht zur Vermarktung an die Genossenschaft. Henning Petersen schaltet den Schiffsdiesel ab. Bleibt zum Schluss die Frage, was sich ein Maasholmer Fischer wie Petersen für die Zukunft wünscht. Da braucht er nicht lange zu überlegen: „Dass die Fischpreise wieder hochkommen.“

Diese Glücksgeschichte (Text: Eckhard Voss, Fotos: Silke Goes) erschien erstmals in der [Mohltied!]. Das Besseresser-Magazin für Schleswig-Holstein erscheint viermal im Jahr.

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