Werner Sauer mit seiner Destillationsapparatur, © FEINHEIMISCH

Deutschlands nördlichste Obstbrennerei

Kommen Sie auf den Geschmack – mit unseren Kulinarik-Geschichten aus dem echten Norden.

Es duftet nach Apfel. Die Ernte hat gerade begonnen, sie war in diesem Jahr reichlich. Im Kupferkessel der Destillationsapparatur, dem Herzstück der Dolleruper Destille, dampft, zischt und blubbert es: Nur noch wenige Minuten, dann ist der klare Apfelbrand fertig. Im hinteren Teil der Brennerei sorgen zwei Mitarbeiter dafür, dass die gesammelten Äpfel zunächst gepresst und gemaischt werden, um dann erhitzt und als frischer Saft abgefüllt oder zu Apfelwein vergoren zu werden. Dieser dient als Grundlage für den in ungarischen Eichenfässern gelagerten „Dolvados“, den Calvados aus Schleswig-Holstein.Der andere Teil der Äpfel wird geschreddert, mit Reinzuchthefe versetzt und zwei Wochen lang zum Gären gebracht, bis er im Brennkessel landet und zu 42-prozentigem Brand destilliert wird. Die Äpfel, Birnen und Quitten, die den Grundstock für die klaren Obstbrände der Dolleruper Destille bilden, wachsen entlang der Flensburger Förde auf Streuobstwiesen, in Bauerngärten und Obstbaubetrieben mit einer ökologisch nachhaltigen Ausrichtung. Auch Kirschen, Himbeeren, Blaubeeren und Schlehen, aus denen hochwertiger Obstgeist hergestellt wird, stammen überwiegend aus der Region.

Gegründet wurde die Destille, damals noch als Kleinmosterei, von Brigitte und Manfred Weyrauch 1990 mit dem Ziel, die vielen Sorten man Äpfeln und Birnen, die in ihrer Umgebung wachsen, zu leckeren Produkten zu verarbeiten. Seit 2014 wird die nördlichste Obstbrennerei Deutschlands, unter deren Dach sich außerdem ein Café, eine Weinstube und ein Hofladen befinden, von Dr. Axel Hartwig und Werner Sauer geführt.

Neben Obstbrand und -geist haben Werner Sauer und Dr. Axel Hartwig damit begonnen, auch Whisky und Rhum herzustellen. Letzteren dürfen sie mit „h“ schreiben, da er aus echtem Zuckerrohr, das sie aus Südamerika importieren, hergestellt wird. Damit ist ihr Rhum der erste, der in Schleswig-Holstein destilliert und nicht nur hier importiert, verschnitten oder abgefüllt wird. Und der schmeckt Kennern weltweit: Bei der International Rum Conference gewann der Neue aus dem Norden in gleich eine Silbermedaille!

Diese Glücksgeschichte erschien erstmals in der Ausgabe 04-2015 von FEINHEIMISCH. Das Magazin. 

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