Ahrensburg Schloss Luftaufnahme © TA.SH© TA.SH

Gar­ten­rou­te Stor­marn

Zu Lindenpracht und Wassers Kraft

Der Kreis Stormarn ist reich an großzügigen Schloss- und Herrenhausgärten, die sich harmonisch in die von Wasserläufen geprägte Landschaft schmiegen. Die Ensembles aus Schlössern mit ihren dazugehörigen Gütern waren ehemals bedeutende Adelssitze mit prachtvollen Gärten, deren Spuren sich in den heutigen Parkanlagen verfolgen lassen. Besonders beeindruckend sind dabei die imposanten Lindenalleen, die den Parks seit barocken Tagen prachtvolle Struktur verleihen und noch heute zum fernen Horizont streben. An den Guts- und Herrenhäusern entstanden später auch Landschaftsparks mit heute reifem Baumbestand. Durch den Wasserreichtum trifft man vielerorts auf alte Wassermühlen, die in Cafégärten zu lauschiger Kaffeestunde an plätscherndem Wasserrad und an Mühlenteichen einladen. Besonderheiten sind auch die schmucken Dorfanger als baumumkränzte Dorfmittelpunkte mit urigen alten Kirchen, Gedenkstätten und Mahnmalen, Friedens- und Doppeleichen.

Gär­ten in Stor­marn

Schlosspark Reinbek

Als eine Nebenresidenz des Herzogs Adolf und seiner Gemahlin Christine war das Schloss Reinbek (1572–1576) günstig gelegen an der südlichen Grenze des herzoglichen Herrschaftsbereichs entstanden. Seit 1578 schmückten Lust- und Nutzgärten im Stil der Renaissance mit Bogengängen, duftendem Lavendel, Salbei und Thymian und bald auch mit kostbaren Zwiebelpflanzen wie Tulpen, Lilien und Kaiserkronen das Schloss. Im Norden hinter dem Nutzgarten mit edlem Obst gingen die Gärten in die noch heute als Park erhaltene Wildkoppel mit ihren Fischteichen über. Ab 1721 kam es zu Veränderungen, die sich zunehmend einschneidender bis ins 20. Jahrhundert fortsetzten. Der Park wurde daher 1985 neu gestaltet. Im „Englischen Garten“ schmiegen sich nun alte Bäume in das schön modellierte Ufer des Mühlenteichs und rahmen Blicke auf die Schlossfassade. Eine alte Lindenallee markiert die Grenze des ehemaligen Lustgartens und im Anschluss daran greift ein zarter Wasserlauf das Thema der Fischteiche der alten Wildkoppel auf.

Adresse und Kontakt:

Schlosspark Ahrensburg

Die von Linden begleitete barocke Achse führt von der Stadt bis zur Schlossinsel. Sie wurde 1759–1764 vom Hamburger Kaufmann und späteren dänischen Schatzmeister und Lehnsgrafen Heinrich Carl Schimmelmann (1724–1782) als Teil einer geplanten Stadtentwicklung angelegt. Dabei bezog er auch die Kirche mit ihren Gottesbuden ein, die wie das als Schloss Ahrensburg (ca. 1575–95) bekannte prunkvolle Herrenhaus der Renaissance bereits unter der Familie Rantzau entstanden waren. Schimmelmanns Planungen umfassten auch die Gärten am Schloss, die er mit Lusthäuschen, Broderien, Orangen- und Lorbeerbäumen gestalten ließ. Davon sind noch zwei Sandsteinlöwen vom Bildhauer Ludwig von Lücke (1703–1780) an der Schlossbrücke zu finden. Der heutige Landschaftspark umspielt mit Wiesen, Gräben, Mühlenteich und schönen Baumgruppen das leuchtend weiße Schloss und ersetzte die barocken Gärten im 19. Jahrhundert. Im zeitigen Frühjahr betupfen Tausende von Krokussen farbenfroh die weiten Schlosswiesen.

Schloss Ahrensburg Bank © TA.SH© TA.SH

 

 

 

 

 

Tipp: Schöne Spazierwege führen über den Ahrensburger Friedhof, wo es auch ein Begegnungscafé gibt, Hamburger Straße 160. In der Baumschule Andresen werden Gartengehölze aller Art und Wasserpflanzen angeboten. Langenhorst 4, 22941 Bargteheide.

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Gutspark Wulfsdorf

Urige Baumgestalten mit zauberhaft moosbewachsenen Wurzeltellern berühren weit über das Wasser geneigt mit ihren Kronen das eigene Spiegelbild. Sie stammen noch aus der Zeit des alten Gutsparks, der bald nach 1900 mit dem neuen Gutshaus (1906–09) des Gutes Wulfsdorf im „Heimatstil“ angelegt wurde und damals schon älteren Baumbestand mit einbezog. Viele exotische Gehölze sind unter den rund 50 Baumarten im Park, die auf einem Naturerlebnispfad des Hauses der Natur entdeckt werden können. Dieser führt auch zu artenreichen Feuchtwiesen mit Pestwurz, Trollblume, Schachbrettblume, Schwertlilie und Orchideen. Der Rundweg war als sogenannter Belt-Walk schon Teil des Gutsparks und eröffnete abwechslungsreiche Parkbilder. Im Gutshaus ist heute das Haus der Natur des Vereins Jordsand ansässig und zeigt eine ständige Ausstellung zum Thema Vögel und Vogelschutz. Auf dem zum Ensemble gehörigen Hof des Gutes Wulfsdorf wird nach ökologischen Grundsätzen angebautes Obst und Gemüse zum Verkauf angeboten.

Gartenroute Gut Wulfsdorf © TA.SH© TA.SH

 

 

 

 

 

Tipp: Am Eingang zum Skulpturenpark am Kunsthaus am Schüberg ist ein stattlicher Baum in ein gelbes Gewand gehüllt. Dies ist eine der zahlreichen zeitgenössischen Skulpturen, die sich im Park mit der Landschaft zu anregenden Bildern verweben. Wulfsdorfer Weg 33, 22949 Ammersbek, OT Hoisbüttel

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Barockgarten Jersbek

Die beeindruckenden Alleen im Jersbeker Park stammen aus der Barockzeit, als Bendix von Ahlefeldt (1678–1757) ab 1726 seinen schon bald weithin bekannten prunkvollen Garten anlegte. Von Ahlefeldt gehörte zu den frühen Mitgliedern der Hamburger Freimaurerloge. Nach barocken Gestaltungsprinzipien leuchtet symbolisch ein Himmelsstrich an einem langen, oben offenen Heckengang und wo sich die Bäume am Zugang einer Querachse zum Rondell weiten, bilden die Kronen der Bäume einen dunkel gerahmten Himmelsmond. Raffiniert ist auch die 500 m lange, perspektivisch angelegte Lindenallee zum Wald mit seinem Jagdstern, die zu Beginn schmaler ist als am fernen Ende. Auch Paschen von Cossel (1714–1805), neuer Besitzer ab 1774, besaß eine naturreligiöse und freimaurerische Haltung und legte 1791 im Wald ein mystisches wallumschlossenes Freigrab für seine Frau an. Um 1840 dann kamen im Zuge einer landschaftlichen Umgestaltung die heute schön gewachsenen Baumexemplare in das ehemalige barocke Parterre und Boskett.

Tipp: Ein typischer lindengerahmter Dorfanger ist in Bargfeld-Stegen zu finden, Nienwohlder Straße/Kayhuder Straße. In Bargteheide sind Orchideen die Spezialität der Gärtnerei Jentsch, Hamburger Straße 33.

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Kloster Nütschau

Das dreigiebelige Herrenhaus in Nütschau wurde 1577–79 von Heinrich Rantzau erbaut und ist seit 1951 Sitz eines Benediktinerklosters. Schutzpatron der beschaulichen Anlage im Travetal ist der Heilige St. Ansgar. Der größte Teil des Gartens hinter den Gebäuden ist den Mönchen als Klausurbereich vorbehalten. Mit der Sanierung des Herrenhauses in den letzten Jahren lädt der schöne Vorplatz wieder weltliche Besucher ein. In Anlehnung an historische Vorbilder wurde der Hofplatz neu gestaltet und mit zwei Baumreihen aus frühlingsblühenden Wildbirnen geschmückt. Diese erinnern an die Baulinien zweier Scheunen, die im 16. Jahrhundert hier standen. Knorrige alte Linden stehen schützend nahe an einem kleinen Kavaliershaus. Verwunschen führt eine hölzerne Brücke über das Wasser des Grabens zu den jenseits liegenden Tagungs- und Bildungshäusern des Klosters. An der Straße zieht sich eine imposante und ursprünglich gekappte, knapp 200-jährige Lindenallee an der ehemaligen Gutsmauer entlang.

Tipp: Vorbei an zwei reetgedeckten Gutskaten und ihren vier alten Linden gelangt man vom Kloster zur idyllisch im Travetal gelegenen alten Nütschauer Wassermühle (1778) mit ihrem blumigen Vorgarten. Über die Trave spannt sich hölzern die alte „Donnerbrücke“.

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Mühlen und Wasserläufe Bad Oldesloe

Alte Wassermühlen sind im Kreis Stormarn häufig anzutreffen. In der Stadt Bad Oldesloe gab es davon dereinst gleich drei an den Flüssen Beste und Trave, die den Altstadtkern umfließen und wasserreich prägen. Durch lauschige Gassen und über Bogenbrücken gelangt man zu den Relikten dieser alten Mühlenkultur. Zwei Mühlengebäude, eine davon heute eine Weinstube, sind davon noch zu entdecken. An der Mühlenstraße, gleich unterhalb des Kirchberges plätschert das Mühlrad der ehemaligen Kornwassermühle. Weiter, vorbei an gemütlichen Häusern und schönen Gärten in der Heiligengeiststraße, führt die Trave zum alten Gebäude der Gloriamühle am Pferdemarkt, die zunächst eine Loh- und später dann eine Getreidemühle war. Die Mühlräder stehen hier jedoch inzwischen still. Eine neue Brücke überspannt den hier breiten Travearm an der Sohlgleite, und immer am Ufer entlang führt der Weg rund um die Altstadt wieder zur alten Kornwassermühle.

Tipp: Auf einem der längsten Obstlehrpfade Europas, am Radwanderweg auf der alten Bahntrasse von Bad Oldesloe nach Henstedt-Ulzburg, können die Früchte von 163 beschilderten Obstbäumen probiert werden.

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Kurpark Bad Oldesloe

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war der Kurpark Mittelpunkt eines beliebten Sol-, Moor- und Schwefelbades, das der Oldesloer Apotheker Dr. Friedrich August Lorentzen 1813 gründete. Eine noch im Park aufgestellte Solebadewanne aus Granit stammt aus dem damaligen Badepavillon. Den Kurpark plante vermutlich der Bremer Kunstgärtner Isaak Hermann Albert Altmann (1777–1837), und von dieser Gestaltung zeugen noch die Reste alter Kastanien- und Lindenalleen. Ab 1898 erlebte das Kurbad dann mit aufwändigen Neubauten und Schmuckbeeten eine zweite Blüte. Heute liegt der Park als naturnahe grüne Oase inmitten der Stadt, gefasst von einer Schleife der Beste. Wo einst Gradierwerke am Fluss und Badehäuser am Salzteich standen, spiegeln sich romantisch Baumgestalten im salzhaltigen Wasser. Zwar stärken sich heute keine Kurgäste mehr an der Sole, doch eine salzhaltige Quelle speist noch ein kleines Moor im Park und lässt interessante Pflanzengemeinschaften entstehen, die einer reichen Vogelwelt Quartier geben.

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Dorfanger Eichede

Der Dorfplatz von Eichede ist einer der schönsten und am besten erhaltenen Angerplätze in Schleswig-Holstein. Gerahmt wird er von einem prägenden Baumkranz aus Winterlinden, ringsum stehen die alten Bauernhöfe und das Pastorat. Blickpunkt des Angers ist die alte Fachwerkkirche (1757) mit ihrem Friedhof, dessen heckengesäumte Feldsteinmauer sich halbrund in die weite Rasenfläche des Angers schmiegt. Die Gebäude der ehemaligen Dorfschule und Mahnmale für die Opfer der beiden Weltkriege vervollständigen das Ensemble. Seine geschichtliche Bedeutung schöpft Eichede wohl aus seiner Hochlage zwischen den Quellgebieten mehrerer Flüsse an der Wasserscheide von Nord- und Ostsee. Dies führte früh zur bäuerlichen Besiedelung, und schon zur Zeit des Wendenfürsten Slavomir erhielt Eichede seinen Namen Slamersekede, was soviel bedeutet wie „Eichen des Slavomir“. Auf dem schmucken Anger jedoch finden sich heute keine Eichen, daher ranken sich verschiedene Deutungen und Legenden um die Herkunft dieses Namens.

Tipp: Ein weiterer schöner Dorfanger mit Friedenskirche (1883), altem Gottesacker und umringt von alten Höfen, Linden und Kastanien ist der von Siek. Kirchenweg/Hauptstraße, 22962 Siek. Ganz in der Nähe öffnet die Landgärtnerei Beier ihr blumiges Paradies, Sieker Berg 13, 22962 Siek.

Adresse und Kontakt:

  • zwischen Lindenallee und Kirchenstraße, 22964 Steinburg-Eichede

Se­hens­wer­tes in der Um­ge­bung