Gartenrouten Pinneberg Schlossinsel Rantzau © Holstein Tourismus_photocompany© Holstein Tourismus_photocompany

Gar­ten­rou­te Pin­ne­berg

Von Baumschulbaronen und Pflanzenjägern

Der Kreis Pinneberg als größtes zusammenhängendes Anbaugebiet für Gehölze in Europa mit seiner traditionsreichen Baumschulkultur beherbergt viele interessante und bedeutende Schau- und Sichtungsgärten. Hier findet sich ein ungewöhnlich breites Spektrum an Pflanzenarten und -sorten. Weltweit bekannte Baumschulen mit ihren Spezialgärten sowie Gutsparks mit beeindruckenden dendrologischen Besonderheiten oder weit in die Landschaft strahlenden Alleen sind Teil der Gartenkultur des Kreises. In den Gärten spiegelt sich das Suchen nach neuen Pflanzenarten aus der ganzen Welt, die bedeutende Züchtungsarbeit der alteingesessenen Baumschulfamilien, der Rosen-, Stauden- und Rhododendronzüchter und die weltweite Verbreitung ihrer Neuzüchtungen. Die Route bringt diese für Pinneberg typischen Gartenbesonderheiten ans Licht und führt Sie zu den oft verborgenen Spuren, die die Baumschulbarone und Pflanzenjäger in den Gärten hinterlassen haben.

Gär­ten in Pin­ne­berg

Jenischpark, Hamburg-Altona

Die schön modellierte Parklandschaft des Jenischparks war Teil einer ab 1785 angelegten „ornamented farm“ des Baron Voght, eines vehementen Verfechters aufklärerischer Ideen. Hier verband sich das Nützliche des Landbaues mit dem Schönen malerischer Baumgestalten, weiter Wiesen und großartiger Aussichten auf die Elbe mit ihren Segelschiffen. Am berühmten Mustergut lag auch eine Baumschule unter der Regie des Schotten James Booth. Sie gilt als Wiege der Baumzucht im Kreis Pinneberg und ihre Spuren lassen sich bis ins europäische Ausland verfolgen. Ab 1828 gestaltete Senator Martin Johann Jenisch das Anwesen zu einem klassischen Landschaftspark. Aus dieser Zeit stammen einige ausgefallene Bäume. So befindet sich der älteste Ginkgo Hamburgs, vielleicht aus Booths Baumschule, im Park. Jenisch besaß auch eine hoch geschätzte Palmen-, Orchideen- und Kakteensammlung. Einige dieser Pflanzenarten finden sich in den heutigen Schaugewächshäusern.

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Gutspark Haseldorf

Der Gutspark Haseldorf beherbergt eine Vielzahl ausgefallener Baumarten aus aller Herren Länder. Im späten 18. Jahrhundert begründete Hans Heinrich von Schilden (1745-1816) diese exotische Artenvielfalt, zu der Tulpenbaum, Lachshimbeere und Gurkenmagnolie gehören. Wo die Baumriesen ihr Alter zeigen, legt sich eine romantisch verwunschene Stimmung über den leicht verwilderten Park mit seiner Vogelwelt. Für die sonst in weiten Teilen baumlosen Elbmarschen ist dieser Baumgarten, der sich in den Schutz des Elbdeiches mit seinen begleitenden alten Eichen und Eiben schmiegt, ganz außergewöhnlich. Vorbei an Obstbaumkulturen auf den von Gräben umgebenen Inseln zieht sich eine rund 250-jährige geschnittene Lindenallee zum Herrenhaus. Nachdem bereits Klopstock im 18. Jahrhundert in Haseldorf weilte, machte der Dichterprinz Emil von Schoenaich-Carolath-Schilden (1852-1908) das Schloss endgültig zum Dichtertreffpunkt. Der wertvolle Baumbestand im Park inspirierte so die Werke Rilkes und Liliencrons.

Tipp: Der Obstgarten der Integrierten Station Unterelbe (ISU) hat eine Sammlung von 180 alten Obstsorten, Info: Elbmarschenhaus, Hauptstraße 26, 25489 Haseldorf.

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Allee Seestermühe

Zwischen den Obstwiesen der Marsch und den Reetdachhäusern mit ihren typisch gestreiften Holzgiebeln und fröhlich blumigen Vorgärten erblickt man schon von Weitem die rund 700 Meter lange Allee am Horizont. Sie ist Relikt des ehemaligen prunkvollen Barockgartens am Herrenhaus von Seestermühe, der um 1710 für Hans Hinrich von Ahlefeldt angelegt wurde. Der königlich-dänische Diplomat war durch viele Auslandsreisen mit den modernsten Gartenschöpfungen in Versailles, Marly und Chantilly in Berührung gekommen und sammelte dort die Ideen für seinen Garten im klassisch-französischen Stil. Die lange Hauptachse des Gartens als geschnittene, vierreihige Hainbuchen- und Lindenallee spannt sich zwischen Herrenhaus und Teehaus. Im vorderen Teil spiegeln sich die fast 300-jährigen Baumgestalten in einem alten Wassergraben, wo früher Meeresgötter- und Nymphenbrunnen sprudelten. Die romantisch überwachsenen alten Kutschwege der Allee sind heute schöne, geschichtsreiche Spazierpfade.

Tipp: Die St.-Johannes-Kirche mit Friedhof in Seester mit einem der schönsten Barockaltäre Holsteins und freistehendem Glockenturm stammt von 1428. Der anschließende alte Friedhof mit Grabsteinen aus dem 18. und 19. Jahrhundert ist umgeben von 120 Jahre alten Linden. Dorfstraße 37, 25370 Seester.

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Kloster Uetersen

Am „uterst end“ der Herrschaft der Ritter von Barmstede entstand um 1234 das ehemalige Zisterzienserinnenkloster, welches mit der Reformation in ein adeliges Damenstift umgewandelt wurde. Aus dieser späteren Phase stammt auch der Großteil der Gebäude, die sich, umgeben von alten Bäumen, im Schatten der hochbarocken Kirche von 1749 um den efeuumrankten Friedhof versammeln. Ein im späten 18. Jahrhundert errichteter klassizistischer Gartenpavillon und verwilderte Schneeglöckchen, Winterlinge und Elfen-Krokusse zeugen von den früheren Gärten der Priörinnen und Klosterpröbste. Zwei Rosen hat das Kloster einen Namen geliehen. Die stark duftende, gefüllt pfirsichfarbene ‘Augusta Luise‘ wurde zu Ehren der Uetersener Konventualin und Rosenfreundin Augusta Louise Gräfin zu Stolberg-Stolberg (1753-1835) getauft, Empfängerin der bedeutendsten Briefe des jungen Goethe. Die ‘Uetersener Klosterrose’ erinnert an die Symbolkraft, die der Rose von den Zisterziensern zugesprochen wurde.

Tipp: Der Cäcilie Bleeker Park ist Uetersens einstiger Alter Friedhof von 1835. Im heutigen Park findet sich neben einigen alten Grabsteinen, darunter dem der Cäcilie Bleeker, Stifterin des nahen Bleekerstifts, eine große Vielfalt interessanter Koniferen. Eingänge: Bleeker- & Seminarstraße.

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Rosarium Uetersen

Die Rosenstadt Uetersen ist die Wiege der Holsteiner Rosenzucht. Begonnen hat alles mit dem Gärtner Ernst Ladewig Meyn, der um 1880 anfing, Rosen zu veredeln. Bald darauf entstanden in Uetersen und Umgebung viele Rosenschulen und es wurden Rosenschauen durchgeführt, die über Deutschland hinaus Beachtung fanden. Das heutige Rosarium entstand 1934 in Zusammenarbeit der Stadt mit dem Verein der Rosenfreunde und Holsteiner Baumschulen. Die Rosenzüchter Matthias Tantau und Wilhelm Kordes hatten die Idee, den alten Mühlenteich des Klosters im Rahmen von Notstandsarbeiten zu überarbeiten und hier einen neuen öffentlichen Rosenpark nach Plänen des Gartenarchitekten Berthold Thormählen anzulegen. Über 35.000 Rosen aller weltweit führenden Züchter in rund 1000 alten und neuen Sorten sind heute im Garten zu bewundern. Besonders schön ist die Lage am ruhigen, von Trauerweiden und Rosen gesäumten Wasser des Mühlteichs, an dessen Ufer man sich auf einer Caféterrasse stärken kann.

Tipp: Rosenwelt Tantau, Tornescher Weg 13, 25436 Uetersen W. Kordes’ Söhne Rosenschule mit Schaugarten, Rosenstraße 54, 25365 Klein Offenseth-Sparrieshoop. Hier gibt es viele der im Rosarium und am Kloster wachsenden Rosen. Zur Rosenblüte sind die Rosenfelder sehenswert. Dazu gibt Kordes jährlich einen Lageplan heraus.

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Langes Tannen, Uetersen

Der Name “Langes Tannen” kommt vom kieferndurchsetzten Waldgebiet, welches die Familie Lange hinter der 1727 hier erstmalig errichteten Windmühle anlegte. Neben dem Mühlenbetrieb in Uetersen baute die Müllerfamilie im 19. Jahrhundert einen lebhaften Getreidehandel bis nach Amerika und eine Schiffsbrotbäckerei auf und gründete 1872 eine Zweigstelle in Altona. Der Müller Johann Peter (III.) ließ für seine gartenbegeisterte Frau Catharina 1826 einen Garten mit Lindenlauben und Blumenbeeten aus den Sanddünen ausheben, in dessen Mitte ein großes C (Catharina) in Rasen geschnitten war. Aus dem 19. Jahrhundert sind noch ein riesiger alter Goldregen, Eiben und duftender Flieder erhalten. Eine harmonisch schöne Stimmung liegt über dem Gelände, und im lindenumstandenen klassizistischen Wohnhaus findet sich heute ein Museum zur bürgerlichen Wohnkultur des 19. und 20. Jahrhunderts.

Tipp: Die Staudengärtnerei Jürgen Peters hat ein weites Angebot an Steingartenpflanzen und Raritäten. Auf dem Flidd 20, 25436 Uetersen, www.alpine-peters.de.

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Schlossinsel & Seepark, Barmstedt

Aus der Stadt führt ein alleegesäumter Wanderweg entlang der Krückau zur Schlossinsel. Hier befand sich um 1140 die Burg der Ritter von Barmstede und später der Grafen- und Amtsverwaltersitz Rantzau. Eine idyllische Atmosphäre herrscht auf der Insel. Die Zeit scheint hier stillzustehen, auch wenn an der Caféterrasse des Schlossgefängnisses (1836) die Turmuhr schlägt. Die Geschichte der Insel und der Stadt erzählt das Museum im alten Amtsgerichtsgebäude (1863). Kunst und Kultur haben in Form von Galerien und einer Keramikwerkstatt ebenso ihren Einzug in den backsteinernen Inselbauten gehalten. Eine knorrige „1000-jährige Eiche“ steht als Naturdenkmal vor der ehemaligen Schlossbrauerei unweit der Schlossinsel. Den nahen Rantzauer See mit dem Seepark und der Seebadeanstalt gibt es erst seit 1938. Um 1960 wurde im Seepark dann durch ansässige Baumschulen ein Rhododendronpark mit immergrünen Gehölzen zum Sortenvergleich in den schattenspendenden Hallen des Buchenwaldes angelegt.

Tipp: Mit über 3000 verschiedenen Rhododendren entfaltet sich im Schaugarten der Baumschule H. Hachmann im Mai ein besonderes Farbenspiel. Die Baumschule ist für ihre Züchtungen weltweit bekannt. Fächerahorne glühen mit ihrem Laub zum Herbstfarbenfeuerwerk im Oktober. Brunnenstr. 68, 25355 Barmstedt, www.hachmann.de

Bauerngarten am Humburghaus. Chemnitzstr. 10, 25355 Barmstedt

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Norddeutsche Gartenschau im Arboretum Ellerhoop

Das Arboretum Ellerhoop-Thiensen ist aus dem Sichtungsgarten der ehemaligen berühmten Baumschule Timm & Co. hervorgegangen. Heute wird der Garten vom Förderkreis Arboretum Baumpark Ellerhoop-Thiensen e.V. bewirtschaftet und unter der Leitung von Prof. H.-D. Warda entwickelte sich eine thematisch spannende Kombination aus Schulbiologie, Baumwissenschaft und Gartenkunst. Das Gartenjahr beginnt mit blühenden Kamelien im Januar und endet im Herbst mit den glühenden Farben der Rot-Ahorne und Sumpfzypressen. Highlights sind auch die Dichternarzissenwiese, die im Mai ein riesiges duftendes Blütenmeer ausbreitet und der Bauerngarten mit seiner heiteren Mischung aus Nutz- und Zierpflanzen. Der Heidegarten, die Hortensiensammlung, das große Strauch-Pfingstrosensortiment und die zauberhaften Farbgärten setzen besondere Akzente. Überwältigend ist auch die exotische Lotosblumenblüte im spätsommerlichen Teich. Kinder begeistert ein Erlebnispfad mit Sauriern und Baumversteinerungen der Urzeit.

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Rosengarten im Fahlt, Pinneberg

Eingebettet in den Stadtwald „Fahlt“ trifft man auf eine rosenreiche Blütenfülle. An lauschigen Sitzplätzen, umspannt von Rankbögen, sorgen rund 8.000 Rosen in 80 Sorten mit interessanten Bäumen, mächtigen Rhododendren und Magnolien, Blumenzwiebelverwilderungen aus Krokussen und Tulpenarten sowie schöne Staudenpflanzungen für einen Farbreigen vom Frühjahr bis weit in den Herbst. Geplant wurde der Garten 1934 von Gartenbauinspektor Carl Bradfisch als Teil einer größeren Anlage mit Freibad und Sportstadion. Pinneberg war damals beliebter Ausflugsort, und alljährlich veranstaltete man seit 1929 und bis in die 1950er Jahre ein Rosenfest mit prächtigem Rosenkorso, das die Rosenbaumschulen tatkräftig unterstützten. Der Fahlt, ehemals Teil des Drosteiparks, ist die grüne Verbindung vom Rosengarten in die Innenstadt. Der Weg führt vorbei an der sagenumwobenen Hexenkuhle mit Spielplatz, alten Hochzeitsbäumen und der geschichtsträchtigen schleswig-holsteinischen Doppeleiche.

Tipp: Das Deutsche Baumschulmuseum zeigt alte Gerätschaften vom Saatfahrrad bis zum Porsche-Trecker und erzählt die Geschichte der Baumschulen. Halstenbeker Str. 29, 25421 Pinneberg, OT Thesdorf.

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Friedhof Rellingen

Die Rellinger Kirche ist ein barockes Meisterwerk des Architekten Cai Dose. Ihr weithin sichtbarer Kirchturm mit Laterne ist Wahrzeichen des Ortes und bildet mit dem lindenumsäumten Kirchplatz und dem Friedhof ein bemerkenswertes Ensemble. Eine schöne Allee führt durch den ältesten Teil des Friedhofs, der spätestens 1860 entstand. Bis dato wurde in und rund um die Kirche bestattet. Die Entwicklung der Baumschulen im Kreis Pinneberg spiegelt sich in den vielen Grabstätten alteingesessener und ehemaliger Baumschulbetreiber. Schöne Engelsfiguren wachen über verschiedene Familiengräber. Auch der bekannte Staudenzüchter Karl Wachter und die Namenspatin der Rose ‘Käthe Duvigneau‘ fanden hier ihre letzte Ruhestätte. Die Erweiterungen des Friedhofs lassen sich an Hand ehemaliger Heckengehölze, die zu imposanten Baumriesen gewachsen sind, nachvollziehen. Über den interessanten Baumbestand wacht ein Baumschulmeister als Friedhofsverwalter.

Tipp: Clematiskulturen F.M. Westphal, Peiner Hof 7, 25497 Prisdorf, www.clematis-westphal.de, Schaugarten und großes Clematis-Sortiment. Natursteinvertrieb Nord, Gärtnerstraße 34–36, 25462 Rellingen. Ein Schaugarten zeigt viele Beispiele der Natursteinverwendung im Garten.

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Se­hens­wer­tes in der Um­ge­bung