Eutin Schloss © TA.SH / MOCANOX© TA.SH / MOCANOX

Gar­ten­rou­te Ost­hol­stein

Flanieren und Philosophieren in lieblicher Seenlandschaft

Seit Jahrhunderten zieht die ostholsteinische Seenlandschaft Lustwandler in ihren Bann. Die Lieblichkeit und Schönheit der Landschaft verlocken zum Ausflug in die gestaltete Natur. Die Gärten Ostholsteins spannen einen Bogen vom Geist der Landschaftsparks des 18. Jahrhunderts bis zu den Kurparks des 20. Jahrhunderts. Im Herzen der Holsteinischen Schweiz bildet der Eutiner Schlossgarten mit dem „Philosophischen Gang“ einen gelungenen Routenauftakt. Es ist eine Wonne, das Lustholz des Jagdschlösschens am Ukleisee zu durchstreifen und durch hügelige Landschaft an die Hohwachter Bucht zu radeln. An den Wassern der ostholsteinischen Seenlandschaft hinterließen bedeutende Gartenarchitekten ihre Spuren. Karl Plomin schuf im Malenter Kurpark beeindruckende Vegetationsbilder, Erwin Barth kombinierte eindrucksvoll Gehölze im Park des Landsitzes Lindenhof am Hemmelsdorfer See und Harry Maasz spielte im Kurpark von Timmendorfer Strand mit geometrischen Formen.

Gär­ten in Ost­hol­stein

Schlossgarten Eutin

Eutin trägt den Beinamen „Weimar des Nordens“, den es dem Wirken berühmter Persönlichkeiten wie J. H. Voß, Herder, Tischbein und Klopstock um 1800 verdankt. In dieser kulturellen Blütezeit wurde der Eutiner Schlossgarten von einem prunkvollen barocken Lustgarten in einen Landschaftsgarten nach englischem Vorbild umgestaltet. Der Ruf „Zurück zur Natur“ wurde nach den Ideen des Herzogs Peter Friedrich Ludwig und des Gartentheoretikers C.C.L. Hirschfeld zu gestalteter Landschaft. Der Garten symbolisiert Stationen der Läuterung auf einer Lebensreise und führt den Lustwandelnden vom schlichten Seetempel am Ufer des Großen Eutiner Sees zum Sonnentempel auf dem höchsten Punkt des Gartens, der für die Erleuchtung steht. Der „Philosophische Gang“ und andere Wege bieten herrliche Ausblicke über Teiche und Rasenflächen auf markante Baumgruppen, Wasserfälle und romantische Brücken. Ein besonderes Naturerlebnis ist zu jeder Jahreszeit die über 335 m lange, 200-jährige Lindenallee.

Eutin Schlossgarten © TA.SH / MOCANOX© TA.SH / MOCANOX

 

 

 

 

 

Tipp: Sehenswert ist der Rosengarten an der Seepromenade in Eutin, 1928 von Harry Maasz angelegt. Auf dem Alten Eutiner Friedhof sind über 200-jährige Grabstätten zu sehen. Beigesetzt wurden hier auch der Volksmärchensammler Wilhelm Wisser und der Maler Johann H.W. Tischbein.

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Kurpark Malente

Im Herzen Malentes hat Karl Plomin in den 1960er Jahren einen herausragenden Kurpark geschaffen. Gemeinsam mit dem Architekten Peter Arp entstanden in engem Dialog zwischen Architektur und Landschaft sachlich-elegante Kureinrichtungen wie die Liegehalle, die Kaminhäuser und die Musikmuschel. Die umgebende ostholsteinische Landschaft hat Plomin künstlerisch inszeniert: Im Schatten schlanker Buchen auf dem Brahmberg blühen Rhododendren, Magnolien und Blumenhartriegel begleitet von Waldstauden. Der Weg hinab in die Schwentineniederung führt ins Licht, wo im Herbst Sumpfzypressen, Flügelnüsse, Katsurabäume und Schildblätter ungeahnte Farbklänge in rot und gelb zaubern und sich in kreisrunden Himmelsaugen spiegeln. Sumpfstauden, Wasservögel und Insekten beleben diese Teiche. Der 2007 umfassend sanierte Kurpark bietet Entspannung und Naturgenuss, Spielmöglichkeiten und Kneippvergnügen sowie zahlreiche Veranstaltungen für jung und alt.

Tipp: Das Arboretum Malente mit 120 Baumarten ist vom Kurpark aus zu Fuß zu erreichen. Vom Holzbergturm zwischen Malente und Neversfelde hat man einen fantastischen Blick über die Holsteinische Schweiz.

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Jagdschlösschen am Ukleisee

Im Herzen der wald- und seenreichen Holsteinischen Schweiz liegt der sagenumwobene Ukleisee. Die malerische Landschaft, die idealisierten Landschaftsbildern gleichkam, inspirierte Fürstbischof Friedrich August, sich von seinem Hofbaumeister Georg Greggenhofer 1776 ein Jagdschloss hoch über dem See errichten zu lassen. Ganz im Sinne der Aufklärung wurde ein „Lustgehölz“ angelegt, das dem Naturgenuss diente und zum Lustwandeln einlud. Die historischen Pfade schlängeln sich heute wieder durch den Wald und führen an Orte, die bereits der Gartentheoretiker C.C.L. Hirschfeld um 1780 bewundert haben soll: zum fantastischen Blick über die Hangterrassen auf den Ukleisee, zu Aussichtspunkten, einem plätschernden Bach und nicht zuletzt zur bezaubernden weißen Anglerbrücke am Seeufer. Diesen wunderbaren Ort kann man heute besonders eindrucksvoll bei einem klassischen Konzert im Jagdschlösschen oder einem einstündigen Spaziergang um den Ukleisee erleben.

Tipp: In Malente-Krummsee befindet sich das Pflanzencenter Buchwald mit einem umfangreichen Sortiment an Gehölzen, Stauden und Sommerblumen, einem Kaffeegarten und Veranstaltungsprogramm. Die besondere Spezialität dieser Gärtnerei ist die Orchideenzucht, T 04523 – 18 97.

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Kloster Cismar

Der Legende nach war das Benediktinerkloster Cismar im Mittelalter ein Wallfahrtsort. Nicht nur wegen der über 800 Reliquien, sondern auch wegen der heilkräftigen Wirkung, die der Johannisquelle im Brunnenhaus zugesprochen wurde, sollen sich Pilger auf den Weg nach Cismar gemacht haben. Die Bedeutung des Klosters fand in den Meisterleistungen der Backsteingotik ihren Ausdruck, darunter der schmuckvollen Klosterkirche und dem Flügelaltarschrein von 1310/20. Die Klosterinsel verlockt zum Wandeln durch alten Baumbestand. Jenseits des Wassergrabens sind der Friedhof und ein Baumlehrpfad sehenswert und am nahen Haus der Natur ist ein Kräutergarten nach dem Vorbild mittelalterlicher Klostergärten zu bewundern. Die Klosteranlage ist als Teil der Stiftung Schleswig- Holsteinische Landesmuseen auch ein Ort der Kunst und Kultur, wo in der Urlaubssaison Kunstausstellungen von nationaler Bedeutung gezeigt werden. Zur Einkehr lädt das „Klostercafé Brunnenhaus“ ein.

Tipp: Das Haus der Natur, Bäderstraße 26, besitzt eine der größten privaten Muschel- und Schneckensammlungen der Welt.

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Gutsgärtnerei Sierhagen

Der Weg nach Sierhagen führt durch eine historische Kulturlandschaft, in der jahrhundertealte Eichen ihre knorrigen Äste gen Himmel recken. Der Europäische Fernwanderweg führt über die wassergesäumte Gutsanlage. Die Gärtnerei, die früher der Versorgung des Guts mit Obst, Gemüse und Blumenschmuck diente, ist ein einzigartiges Ensemble, in dem Gewächshäuser im Schutze einer mächtigen Gartenmauer das 20. Jahrhundert überdauert haben. Im Jahr 2001 wurde der Gärtnerei neues Leben eingehaucht. Das Palmenhaus aus dem Jahr 1900 beherbergt nun ein Café mit hervorragendem Kuchen. Gewächshäuser und Frühbeete wurden saniert und wiederbelebt und außerdem wurden verschiedene Schaugärten angelegt. Es ist ein besonderer Genuss, durch den Rosengarten und den Küchengarten zu schlendern, mehr über die historische Gartenpraxis zu erfahren und dabei die Pflanzenfülle zu bewundern. Diese steht exemplarisch für die Vielfalt ausgefallener Pflanzen, die ebenso wie Gartenutensilien im Laden der Gutsgärtnerei angeboten werden.

Tipp: Das Gut Görtz bei Heringsdorf ist eine typische ostholsteinische Gutsanlage mit schönem altem Baumbestand. In den Scheunen arbeiten Kunsthandwerker. Das Hofcafé verführt mit leckerem Kuchen, für Kinder gibt es Spielflächen und Tiere zum Streicheln.

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Alter und Neuer Kurpark Timmendorfer Strand

Der Alte und der Neue Kurpark bilden Gegensätze, die sich hervorragend ergänzen. Der im Jahr 2000 umgestaltete Rosengarten ist die Flaniermeile des Seebades, an der die denkmalgeschützte Trinkkurhalle, in der viele Veranstaltungen stattfinden, zwischen Kiefern in reinem Weiß erstrahlt. Zum ruhigen Spazieren dagegen lädt der etwas landeinwärts liegende Alte Kurpark ein, der um 1930 von Harry Maasz angelegt wurde und noch viele Zeugnisse aus seiner Entstehungszeit enthält. Herzstück des Parks sind drei Teiche, die von einigen alten Trauerweiden gesäumt werden. Von Westen kommend bildet eine Kastanienallee den Auftakt zu einem expressionistischen Parkerlebnis. Dichte Baumgruppen aus Birken und Buchen wechseln mit offenen Rasenpartien und vollführen ein zauberhaftes Licht- und Schattenspiel. Beim Fortschreiten in Richtung Ostsee passiert man seltene Arten von Eichen und Ahorn. Abseits vom sommerlichen Trubel ist die Betrachtung der Seerosenblüten ein Genuss!

Tipp: Harry Maasz hat auch den Waldfriedhof von Timmendorfer Strand (an der B76) gestaltet, der vom alten Kurpark aus auf einem Waldspaziergang erreicht werden kann. Das dunkle Grün von Nadelgehölzen wird durch Birken in zartgrün und weiß wunderbar aufgehellt.

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Landsitz Lindenhof

Der Landsitz Lindenhof besitzt eine einmalige Lage am Hemmelsdorfer See. Heute wird hier unter dem Namen Schloss Warnsdorf eine Fastenklinik betrieben. Der Gartenarchitekt Erwin Barth wusste die landschaftlichen Gegebenheiten hervorragend zu nutzen und inszenierte 1910–1914 für seinen Bauherrn, den Industriellen Arthur Donner, einen abwechslungsreichen Spaziergang. Den Besucher empfängt ein Lindenrondell, das den Blick über eine weite Rasenfläche auf das Schloss freigibt. Im Waldpark sind Bäume und Sträucher kunstvoll angeordnet und im späten Frühjahr besticht die Blütenfülle riesiger Rhododendron. In Höhe des Landhauses streift man die grünen „Zimmer“ Rosengarten und Blumenterrasse, deren Konturen noch gut nachvollziehbar sind. Von der Terrasse aus schweift der Blick über die Pferdewiese, um die ein Rundweg bis zur Badestelle am Hemmelsdorfer See führt. Hohlwege aus Flieder, Jasmin und Rosen machen den Frühjahrs- und Sommerspaziergang zu einem einzigartigen Dufterlebnis.

Tipp: Am Dorfmuseum Ratekau, einer ehemaligen Rauchkate, liegt ein vielfältiger Bauerngarten. Hauptstr. 56b, 23626 Ratekau. Am Ortsrand von Bad Schwartau befindet sich im Wald Riesebusch ein von Harry Maasz gestaltetes Ehrenmal mit beeindruckendem Rhododendronbestand.

Adresse und Kontakt:

  • Schlossstraße 10, 23626 Warnsdorf

Katengarten Dunkersche Kate Bosau

Die Dunkersche Kate stammt vermutlich von 1687 und diente als Schmiede und Leinenweberkate. Sie gehörte zu einer Achtelhufe, auf deren 6 ha Land auch bescheidene Landwirtschaft, unter anderen von der Familie Dunker, betrieben wurde. Seit 1990 wird die sanierte Kate für Kunstausstellungen und Veranstaltungen genutzt. Gleichzeitig wurde in ehrenamtlicher Arbeit ein farbenfroher Bauerngarten angelegt. In buchsbaumgefassten Beeten sind Stauden, Gemüse, Kräuter und Rosen zu bewundern. Prachtvolle Bauerngartenpflanzen, darunter Lilien, Kaiserkronen und eine große Sortenvielfalt an Dahlien, stehen in Kontrast zu bescheidenen Nutzpflanzen wie Johannisbeersträuchern und Petersilie. Die sorgsame Beschilderung verführt dazu, sortenreiche Beete im eigenen Garten anzulegen. Auch kann man ein Stück Garten mitnehmen: Die Ernte wird zu leckeren Marmeladen, Chutneys und Eingelegtem verarbeitet und in der Dunkerschen Kate verkauft.

Tipp: In 300 m Entfernung am Plöner See befindet sich auf einem Kirchhof mit doppeltem Lindenkranz die St. Petri-Kirche von 1152.

Adresse und Kontakt:

Se­hens­wer­tes in der Um­ge­bung