Neumünster Gerischpark © TA.SH© TA.SH

Gar­ten­rou­te Neu­müns­ter

Zu grünem Werk und Ernteglück

In Neumünsters grünen Werken der Gartenkunst verbindet sich das Schöne mit dem Nützlichen. Hier wird der industrielle Aufschwung der Stadt um 1900 lebendig: So schufen sich die Unternehmer private Villengärten als Rückzugsoasen vom Schmauch der Leder-, Tuch- und Papierfabriken. In diesen Gärten fanden die Ideen der Gartenkunstreform ihren Ausdruck. Andere Anlagen dienten der Erbauung und Erholung der Arbeiter und das Engagement der Neumünsteraner Bürger führte zur Schaffung bunter Kleingartenkolonien. Zur Versorgung der Stadt trugen Obstgüter bei, deren Wiesen als Fundgruben alter Obstsorten erhalten sind. Mit Kunst verwoben und durch eine lebendige Gartendenkmalpflege entwickelt sich das Gartenwerk der Stadt bis heute fort. Von Neumünster geht es durch die schöne Landschaft des Einfelder Sees bis zur Klosterinsel Bordesholm. Diese Reise machten 1327 auch die Augustiner Chorherren, die aus dem geschäftigen Neumünster mit ihrem Kloster nach Bordesholm übersiedelten.

Gär­ten in Neu­müns­ter

Grünes Band an der Schwale

Begleitet von der Schwale erstreckt sich ein grünes Band von der alten Papierfabrik an der Gartenstraße bis zum Selck’schen Park an der Klaus-Groth-Straße. Die Abfolge grüner Oasen erzählt die Geschichten mehrerer hundert Jahre: Bischof Vicelin, Namensgeber der Vicelinkirche mit ihrem baumumkränzten Kirchplatz, hatte um 1130 in Neumünster ein Chorherrenstift gegründet. Der nahe Teich war ehemals ein klösterliches Staugewässer, das Gerbereien, Tuchfabriken und Brauereien später zur Wasserentnahme nutzten. Auf der Klosterinsel wurde ein Nonnenkloster errichtet, später folgten die Nutzung als Herrensitz und der Betrieb einer „Wollfabrique“. Heute erinnern Klostergraben und Bastionen an den Ursprung des Parks. Der Rencks Park ist eng mit dem Aufschwung Neumünsters zur Industriestadt verbunden. Hans-Lorenz Renck stiftete 1870 das grüne Familienjuwel zur Erbauung der Bürger seiner Heimatstadt Neumünster. Der verwunschene Selck‘sche Park führt in die Schwalelandschaft und zur Villa Wachholtz.

Tipp: Hinter der Vicelinkirche liegt an der Schwale der alte Landschaftspark der Simons’schen Villa (Gartenallee 14). Der verwilderte Garten mit urigen und exotischen Baumgestalten steht im Kontrast zu moderner Stadtentwicklung.

Adresse und Kontakt:

  • zwischen Kleinflecken, Am Teich, Lütjenstraße, Parkstraße, Holstenstraße & Klaus-Groth-Straße, 24534 Neumünster

Garten der Villa Wachholtz

Als der Zeitungsverleger Karl Wachholtz 1924 die für den Buntpapierfabrikanten Paul Ströhmer errichtete Villa (1903) erwarb, veranlasste er nicht nur den Umbau des Hauses, sondern ließ auch den Garten im Sinne eines Landhausgartens als Wohnraum im Freien modernisieren. Wachholtz beauftragte mit dem Lübecker Gartenkünstler Harry Maasz (1880–1946) einen bekannten Vertreter der Gartenkunstreform des frühen 20. Jahrhunderts. Dieser schuf 1925 einen stimmungsvollen Garten mit rahmenden Baumalleen, sich öffnenden grünen Räumen, Natursteinmauern und expressiv anmutenden Beeten. Er zählt zu den wenigen noch erhaltenen Gärten dieser Art, den die Gerisch-Stiftung nach seiner Wiederherstellung als Teil ihres Skulpturenparks an der Schwale wieder erlebbar macht. Schon von weitem erkennbar ist das Kunstzentrum an seiner neuen skulpturalen Parkmauer: Der Berliner Künstler Olaf Nicolai lässt den Betrachter wie durch eine Wohnzimmergardine in den Park blicken.

Tipp: Im Bogen der Schwale liegt auch die prächtige Villa Köster, die 1902 für den Tuchfabrikanten Friedrich Hanssen errichtet wurde und später dem Lederfabrikanten Emil Köster gehörte. Eine Kastanienallee führt von der Parkstraße zum Garten mit alten Eiben, Buchen und Flügelnuss. Parkstraße 11.

Adresse und Kontakt:

Gerisch-Skulpturenpark

Im idyllischen Tal an der Schwale liegt der Gerisch-Skulpturenpark. Sorgfältig abgestimmt auf den ursprünglich privaten Hauspark der Villa des Stifterehepaares Herbert und Brigitte Gerisch befinden sich dort Skulpturen bedeutender Künstler. So schwebt ein zartes, wie aus Pergament gehauchtes Kleeblatt von Katsuhito Nishikawa auf dem Wasser. Nahe bei fügt sich das Paar Philemon und Baucis des Künstlers Ian Hamilton Finlay harmonisch in das Blätterwerk einer schützenden Insel. Horst Antes Kopffüßler gesellt sich zu einer Baumgruppe. Auf einer Lichtung steht die geheimnisvolle Figurengruppe der kopflos Schreitenden der polnischen Künstlerin Magdalena Abakanowicz. Der Park am Lauf der Schwale soll zukünftig das grüne Band der Stadt um 30 Hektar erweitern. Auch hier ergreift die zeitgenössische Kunst das Wort. Renommierte Künstler werden die Frage nach dem heutigen Arkadien beantworten – regional auf den Ort bezogen, aber zugleich mit internationaler Perspektive.

Neumünster Gerischpark Skulptur © TA.SH© TA.SH

 

 

 

 

 

Tipp: Im Gerisch-Parkzentrum finden neben Ausstellungen regelmäßig Kulturveranstaltungen statt. Im Mai besticht die Azaleenblüte. Eine Malschule bietet museumspädagogisch angeleitete Kurse für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. www.gerisch-stiftung.de

Adresse und Kontakt:

Nord- und Südfriedhof

Die Entwicklung Neumünsters zum wichtigen Industriestandort mit Tuch- und Lederwerken spiegelt sich auf den beiden Friedhöfen in den Gräbern bekannter Fabrikantenfamilien. Ein Gedenkstein erzählt auch vom Schicksal der 1888 bei einem Brand verunglückten Arbeiter der Tuchfabrik Köster. Die ältesten Gräber sind auf dem Nordfriedhof zu finden, der 1869 geweiht wurde. Aus dieser Zeit stammt noch eine ungewöhnlich alte Schwedische Mehlbeere (Sorbus intermedia). Zu ausdrucksvollen Grabfiguren gesellen sich hier kunstvolle Grabstätten mit Jugendstilelementen. Besonders eindrucksvoll ist das mit Terrakotten geschmückte Mausoleum Moll von 1912/13. Der waldartige Südfriedhof mit seinen schönen Vegetationsbildern entstand 1929. In die durchgestaltete Anlage wurden im Laufe der Zeit neue markante Akzente wie die Lutherrose harmonisch integriert. Beeindruckend ist das in dunkelblauer Keramik schimmernde, raumgreifende Kruzifix des Bildhauers Professor Jan Koblasa in der neuen Friedhofskapelle.

Tipp: Der Anscharkirchplatz war vor der Eröffnung des Nordfriedhofs von 1813 bis 1890 Friedhof der Stadt und mit Wegekreuz und Alleen gestaltet. Danach wurde er zum Schmuckplatz. Von 1910–13 entstand die Anscharkirche, welche nach Kriegsschäden vereinfacht neu aufgebaut wurde. Christianstraße 11.

Adresse und Kontakt:

  • Plöner Straße 130, 24536 Neumünster

Garten am Caspar-von-Saldern-Haus

Das ehemalige Amtshaus wurde 1744–46 für den Amtmann Caspar von Saldern (1711–1786) als herrschaftliches Stadtpalais erbaut. Von Saldern residierte jedoch nur bis 1749 in Neumünster, weil er Opfer einer Intrige wurde – die Gründung einer Schützengilde brachte ihn zu Fall. Dennoch machte von Saldern später Karriere als holsteinisch-russischer Diplomat und Staatsminister Katharinas II. von Russland. Vom ehemaligen ländlich barocken Garten, der sich mit Baumgarten und Pavillon bis zur Boostedter Straße erstreckte, zeugt noch eine Allee aus gekappten Linden. Eine zweistämmige Blutbuche und eine imposante fünfstämmige Rotbuche sind aus der späteren Gartenentwicklung des 19. Jahrhunderts erhalten. Nach Auflösung des Amtes 1867 fand das Gebäude wechselnde Nutzungen vom Amtsgericht bis zur Jugendherberge. Zwei Flügelbauten wurden 1947 hinzugefügt, als es englisches Offizierskasino war. Heute ist das sanierte Baudenkmal Kulturzentrum.

Tipp: Der Falderapark mit seinem stimmungsvollen Seerosenteich zieht sich mit den Sienknecht’schen Gärten bis an die Schwale und liegt verbindend zwischen der Innenstadt und der Gartengemeinschaft West. Wasbeker Straße/Ecke Wernershagener Weg.

Adresse und Kontakt:

Gartengemeinschaft West

In der Gartengemeinschaft West empfängt den Besucher eine lebhafte Mischung aus Hügelbeet und Blumenpracht, Gemütlichem und Kuriosem. Die liebevoll dekorierte, blütenumrankte Laubenvielfalt liegt eingebettet in Melonen, Kohl und Bohnen, zwischen denen hier und da auch ein Gartenzwerg hervorlugt. Im Zentrum der Anlage lädt die Gemeinschaftshalle zu Kaffee, Tanz und Klönschnack. Hier wird auch Honig von Bienen aus der Kolonie zum Kauf angeboten. 1910 gründete der Lehrer Hans Saß mit seinen Weggefährten die „Kolonie West“. Diese wurde zu einer deutschlandweit beachteten Musteranlage. Ihren Lauben wurde „allgemein guter Geschmack“ bescheinigt! Dennoch mussten die Kleingärten 1937 für den Bau eines Flughafens der Wehrmacht weichen und konnten erst 1950 an ihrem alten Platz neu errichtet werden. In der Nachkriegszeit waren die Gärten besonders wichtig zur Versorgung der Bewohner der damals neu entstehenden Böckler-Siedlung. Heute hat auch der Gartensessel zwischen Hacke und Spaten einen festen Platz.

Tipp: Gärtnereien gaben dem Baumschulenweg seinen Namen. Die Baumschule Schneede, Wasbeker Straße 200, und die Gärtnerei der Lebenshilfe im Baumschulenweg 1 & 5, bieten vieles für den Erntespaß.

Adresse und Kontakt:

  • Baumschulenweg 1b, 24537 Neumünster

Friedenshain, Stadtwald & Stadtpark

Der Stadtwald entstand um 1864 durch Aufforstung des Fleckenmoors zur Brechung der harschen „Wasbeker Winde“ und zur Klimaverbesserung in der aufstrebenden Industriestadt. Ein Teil des Waldes an der ehemaligen Lederfabrik Sager wurde auf Initiative des Stadtverordnetenvorstehers und Salzfabrikanten Carl Geerdts ab 1906 zu einem landschaftlichen Waldpark für die Bürger, dem Stadtpark, verschönert. Motive des heimatlichen Naturwaldes mit malerischen Baumgruppen, Lichtungen und Waldstauden waren dabei die leitende Idee. Ab 1921 entstand zum Gedenken an die gefallenen Soldaten des Ersten Weltkrieges weiter westlich im Stadtwald ein „Heldenhain“ nach den zeittypischen Vorstelllungen Willy Langes (1864–1941) und des Stadtbaurates Wilhelm Junglöw (1856–1931). Heute zum „Friedenshain“ umgewidmet, versinnbildlicht die beeindruckende kreisrunde Anlage mit dem rahmenden Raster aus über 1.000 Gedenkeichen das wandelnde Verständnis von der Heldenverehrung zum Mahnen für den Frieden.

Tipp: Aufschwung und Niedergang der Neumünsteraner Lederindustrie verdeutlicht die Villa Sager, 1927/28 vom Architekten Ernst Prinz (1878–1974) für den Lederfabrikanten John Sager (1884–1931) im Heimatschutzstil errichtet und 1933 nach Konkurs der Fabrik verkauft, Carlstraße 169.

Adresse und Kontakt:

  • Junglöwweg, Forstweg, 24537 Neumünster

Alte Obstwiese Kieler Straße

Vor rund 100 Jahren war die idyllische Obstwiese Teil eines Obst-, Gemüse- und Schweinemastbetriebes, der den Markt der Industriestadt Neumünster belieferte. Zwar gibt es nur wenige Hinweise auf die ehemalige Gestaltung, aber aus den vorhandenen rund 80 Jahre alten Obstbäumen und aus vergleichbaren Anlagen lässt sich schließen, dass die Bäume in Reihen standen und dazwischen Gemüse angebaut wurde. Nach einem Dornröschenschlaf ist die Obstwiese heute wieder Teil der historischen Kulturlandschaft und beherbergt viele seltene alte und regionaltypische Obstsorten. Eine große Anzahl ist noch nicht einmal bestimmt und in keinem Laden mehr zu finden. Um die zerfurchten Altbäume flirrt eine Tierwelt aus Hummeln, Hornissen, Schmetterlingen, Höhlenbrütern und Fledermäusen. Darüber thront ein Turmfalkenbrutpaar. Schafe unter den mit Sorten- und Spendernamen beschilderten Bäumen helfen bei der Wiesenpflege. Der Arbeitskreis zur Obstwiese erhält und entwickelt das Gelände als naturnahes Kulturbiotop.

Tipp: Eine alte Obstwiese mit vielen alten Sorten bereichert auch das Angebot im Demeterhof Mehrens. Am Bondenholz 26. Meilensteine (z.B. Kieler Str. 333, Einfelder Schanze 14) zeugen von der 1832 eröffneten Kiel–Altonaer Chaussee.

Adresse und Kontakt:

Volkshaus Tungendorf

Als zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit der rasanten Industrialisierung der Ruf nach Verbesserung der Lebensverhältnisse immer lauter wurde, entschloss sich die Arbeitergemeinde Tungendorf, ein Volkshaus im Sinne der Volkshausbewegung zu bauen (1919–1922). Als Werk des Reform- und Heimatschutzarchitekten Ernst Prinz (1878–1974) verdeutlicht die repräsentative Anlage die sozialpolitischen Absichten und die Bedeutung, die dem Volkshaus und seinem Garten als gesellschaftlichem Zentrum zugedacht war. Im Sinne der „Gartenkunstreform“ spiegelt das Lindenraster in klaren Formen und Raumaufteilungen die Nutzungen des Hauses im Garten wider, zu dem auch der angrenzende, mit einer Lindenrahmung eingefasste Sportplatz gehört. So gab es hier Plätze für geselliges Beisammensein, für Spiel, Sport und Gemüseanbau, und vielleicht wurde die Ernte sogar in der eigenen Lehrküche verarbeitet. Noch heute ist die Gesamtanlage mit ihren vielfältigen Angeboten ein Ort der Begegnung im Stadtteil.

Tipp: In den Tungendorfer Baumschulen, Süderdorfkamp 1–9, und im Paulwitz Pflanzenhof & Floristikgartencenter, Norderdorfkamp 26, in Neumünster- Tungendorf kann in einem umfassenden Pflanzenangebot gestöbert werden. Die Gärtnerei Lassen, Kieler Str. 406, hat ein großes Angebot an Beet- und Balkonpflanzen.

Adresse und Kontakt:

Klosterinsel Bordesholm

Die ehrwürdige Bordesholmer Linde, die aus den Anfangsjahren des Klosters stammt, breitet ihre Arme über den Lindenplatz am Eingang zum Klostergelände. 1327 waren die Augustiner Chorherren aus Neumünster auf die ehemalige „ufernahe Insel“ übersiedelt. Die Landschaft am Bordesholmer See und die beschauliche Ruhe hatten sie hierher gezogen. Auch heute noch liegt die gotische Klosterkirche (erbaut 1330–1510) eingebettet in eine Parkanlage. Wie einst blickt man vom Lindenrondell und den Resten einer alten Hainbuchenallee auf dem Rücken des Uferhangs auf den Bordesholmer See. Der Amtsmannspark war ehemals den Amtmännern und Landräten vorbehalten, die nach der Reformation hier residierten. Nach Plänen des Gartenarchitekten Harry Maasz wurde der alte Kirchhof 1920 umgestaltet und dabei einige Grabsteine und die Ziegelmauer aus dem 16. Jahrhundert erhalten. Ein Kräutergarten im Schutz der Kirche, der Klosterhof und der Stiftsgarten mit archäologischen Grabungsbereichen sind weitere grüne Ruhepunkte.

Tipp: Der Bauerngarten Schurbohm in Mühbrook, Dorfstraße 27, ist mit seiner blumigen Mischung nach Voranmeldung (T 04322 – 69 26 76) zu besichtigen. Funkien stehen hier zum Verkauf. Bauerngarten Müller liegt schön am Einfelder See, Uferstr. 13, Einfeld. Besichtigung nach Voranmeldung, T 04321 – 52 80 36.

Adresse und Kontakt:

Se­hens­wer­tes in der Um­ge­bung