Lübeck Altstadt Wasser © TA.SH© TA.SH

Gar­ten­rou­te Lü­beck

Von Wasserbäumen zu grünen Paradiesen

Der Handel machte das wasserumschlossene Lübeck zur „Königin der Hanse". Dabei waren die Gewässer nicht nur Transportweg, sondern dienten auch dem Schutz der Stadt. Sicherten landseitig Tore und Schlagbäume die Zugänge, stemmten sich wasserseits zusammengekettete Baumstämme, sogenannte Wasserbäume, gegen Eindringlinge. Reste des Wehrsystems sind in den landschaftlich gestalteten Wallanlagen erlebbar. Auch andere beliebte Ausflugsziele liegen nahe am Wasser, so auch in Travemünde mit seinem quirligen Strandleben und lebendigen Parks. Romantische grüne Oasen hinter alten Mauern laden in der Altstadt zum Träumen ein. Vor dem Burgtor beeindrucken der Stadtpark, ehemalige Sommerhäuser reicher Kaufmannsfamilien mit ihren üppigen Gärten und geschichtsträchtige Friedhöfe. Das spannende Werk der Gartenarchitekten Erwin Barth und Harry Maasz verbindet viele Gärten der Stadt. Eine moderne Spielform der grünen Paradiese ist der weitläufige Carlebachpark.

Gär­ten in Lü­beck

Wallanlagen

Wie ein grüner Kranz legen sich die Wallanlagen um den Süden der Altstadt. Die Lübecker Wasserläufe umschließen und durchfließen die baumbestandenen Wälle. Bis ins 18. Jahrhundert dienten die Befestigungsanlagen dem Schutz der Stadt. Als dieser entbehrlich wurde, begann man mit der Verschönerung der Wallanlagen, zunächst 1765 durch Alleepflanzungen, dann 1779 mit der Pflanzung exotischer Bäume wie Trompetenbaum und rotem Zedernbaum. Die Wege auf der Wallkrone und am Wallfuß boten damals wie heute reizvolle Spaziergänge mit Blick auf die Altstadt. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde Peter Joseph Lenné mit der Umgestaltung der Wallanlagen beauftragt, um den Einschnitt der Lübeck-Büchener Eisenbahn zu kompensieren. Umfangreiche Veränderungen der Wasser- und Verkehrswege lassen seinen Einfluss aber nur noch als leises landschaftliches Echo erklingen. Aber auch die Neuerungen haben einen starken Reiz: um 1910 entstanden die Sportanlage Buniamshof, die Freilichtbühne sowie der Spielplatz am Kaisertor.

Tipp: Nahe der Puppenbrücke liegt der Holstentorplatz, der mit seinen farbigen Schmuckpflanzungen und dem bekannten Tor ein schönes Entrée zur wasserumschlossenen Altstadt bildet. Das Museum im Holstentor widmet sich dem Aufstieg Lübecks zur Königin der Hanse.

Adresse und Kontakt:

  • Possehlstraße, Wallanlagen, 23560 Lübeck

Bürgergärten

Versteckt hinter ehrwürdigen Bürgerhäusern und hohen Gartenmauern laden beschauliche grüne Paradiese zu Sehgenüssen ein. In der dicht bebauten Lübecker Altstadt verschmelzen die weitläufigen Gärten zu einer Oase der Kunst. Der Garten des Heiligen-Geist-Hospitals erinnert fern an Klostergärten, sprudelndes Brunnenwasser verströmt kontemplative Stimmung. Moderne Skulpturen kontrastieren mit bizarr gewachsenen Obstbäumen. Eine andere Sicht auf Bäume gewährt eine rote Gartenmauer, auf die von der Sonne Blätter und Zweige gezeichnet werden. Der Nachbargarten gehört der „Gesellschaft zur Beförderung Gemeinnütziger Tätigkeit“ - er wurde ursprünglich von Erwin Barth entworfen, dann 1924 von Harry Maasz umgestaltet und später noch erweitert. Die Restaurantterrasse des „Heinrichs“ gibt einen guten Überblick über den inzwischen überarbeiteten, ruhig daliegenden Garten. Ein schlichtes Wasserband sorgt für stete Bewegung und bereitet Kindern unbändiges Vergnügen.

Tipp: Lohnend ist ein Blick über den Gartenzaun in den von Harry Maasz gestalteten Ausstellungsgarten des Behnhauses. Der Garten kann zu den Öffnungszeiten des Museums besucht werden. Der Innenhof des Burgklosters, Hinter der Burg 2–6, ist den Pflanzen der Klostergärten gewidmet.

Adresse und Kontakt:

  • Königstraße 5, 23552 Lübeck

Schulgarten

Eine Oase für Pflanzenfreunde ist der Schulgarten nahe der Wakenitz. Schon Erwin Barth hatte als Lübecker Stadtgärtner 1909 Pläne für einen Schulgarten entwickelt. Realisiert wurde der Garten aber erst durch seinen Nachfolger Harry Maasz 1913. Der Schulgarten war Ausdruck reformpädagogischer Ideen und ist auch heute noch dem Zweck der Anschauung und Bildung gewidmet. In den verschiedenen Gartenräumen wird eine Vielzahl von gärtnerischen und naturkundlichen Themen präsentiert. Den Auftakt formt der architektonisch gestaltete Senkgarten, in dem sich ein wahres Blütenfeuerwerk entfacht. Sonnige Sitzplätze werden von Laubengängen aus Linden und Kletterpflanzen gerahmt. Ein schattiges Plätzchen bietet das umrankte Seerosenbecken. Wildblumenwiese, Feuchtbiotope, der Heidegarten und das Alpinum geben Einblicke in natürliche Landschaften und vermitteln die ihnen innewohnenden Stimmungen. Im Rondell des Bauerngartens hat die Skulptur „Der Panther“ von Fritz Behn ihren Platz gefunden.

Tipp: Am gegenüberliegenden Ufer der Wakenitz liegt der 1908 von Erwin Barth geschaffene „Platz auf Marly“, seit 1977 als Drägerpark bekannt, der eine wunderschöne Aussicht auf Lübecks Altstadtsilhouette bietet.

Adresse und Kontakt:

Stadtpark

Eingebettet in ein gründerzeitliches Villenviertel und gerahmt von Kirschenalleen ist der Stadtpark eine ruhige Insel zwischen den belebten Straßen Travemünder Allee und Roeckstraße. Eine verlandete Bucht der Wakenitz wurde mit der Anlage des Stadtparks kultiviert. Damit wurde ein weiteres Ausflugsziel für die Lübecker Bürger vor den Toren der Stadt geschaffen. 1897 legte der Lübecker Stadtgärtner Metaphius T. A. Langenbuch den Entwurf vor, und 1902 wurde der Landschaftspark feierlich eingeweiht. Langenbuch hatte sein Handwerk unter anderem in der Großherzoglichen Hofgärtnerei in Eutin und in den Anlagen des Fürsten Pückler zu Muskau gelernt. Er legte im 12 ha großen Park einen See an, der von großzügigen Rasenflächen und ungewöhnlichem Baumbestand umgeben ist. Besonders reizvoll sind schöne Baumveteranen wie Blutbuchen, Silberahorne und eine Gurkenmagnolie. Bei den Lübeckern ist der Park im Frühjahr besonders beliebt, wenn Krokusse und Narzissen ihr Stelldichein geben.

Tipp: Wohlhabende Lübecker hatten im 18. und 19. Jahrhundert ihre Sommerhäuser vor den Toren der Stadt. Von dieser Sommerfrische zeugt noch der Garten der Eschenburgvilla mit seinem vielfältigen Gehölzbestand. Heute ist der Landschaftsgarten ein öffentlicher Park (Jerusalemsberg 4).

Adresse und Kontakt:

  • Roeckstraße, 23568 Lübeck

Burgtorfriedhof

Der Wunsch nach Heil und Erlösung spricht aus vielen Grabstätten des Burgtorfriedhofs, der 1832 als erster „Allgemeiner Gottesacker“ vor den Toren Lübecks angelegt wurde, als aufgrund einer Choleraepidemie enorme Engpässe bei Grabstellen entstanden. Zuvor fanden die Bestattungen in den Innenstadtkirchen und auf den sie umgebenden Kirchhöfen statt. Für jede der fünf Lübecker Hauptkirchen, also St. Jacobi, St. Petri, St. Marien, Dom und St. Aegidien wurde eine eigenes Quartier angelegt. Bedeutende Lübecker haben sich mit imposanten Familiengrüften und Einzelgrabstätten Denkmale gesetzt. Literarisch Interessierte können sich den „Buddenbrooks“ widmen. Viele der auf dem Friedhof beigesetzten Mitglieder der Familie Mann waren, nicht gerade zu ihrem Gefallen, Vorbilder für die Romanfiguren Thomas Manns. Emanuel Geibel ist ebenso auf dem Burgtorfriedhof begraben wie der Oberbaudirektor Peter Rehder, der die Wasserstraßen um Lübeck neu ordnete und an denen beliebte Lübecker Grünflächen liegen.

Tipp: Als Vermächtnis des Ratsherrn H. Constin (1430–1482) wurde der Leidensweg Christi auf Lübeck übertragen. Auf seiner Pilgerreise hatte er die Entfernungen von sieben Stationen des Leidensweges abgeschritten. Davon zeugen noch zwei Reliefs, am Ausgangspunkt an der Jacobikirche und am Zielpunkt auf dem Jerusalemsberg.

Adresse und Kontakt:

  • Eschenburgstraße, 23568 Lübeck

Ehrenfriedhof

Nicht ein Ehrenhain auf freiem Feld, sondern von Wald umgebene geometrische Rasenplätze mahnen zum Gedenken an die Opfer der Weltkriege. Artifiziell wirkende Kreise, Ovale, Halbrunde und Geraden, durch scharfe Konturen gegenüber dem frei wachsenden, hügeligen Wald abgegrenzt, entfalten ihre räumliche Wirkung durch die konzentrische Anordnung der Grabmale am Rande ebener Rasenflächen. Dunkle Eiben und Rhododendron heben die Wirkung gegenüber den silbrigen Stämmen der Buchen. Der Gartenarchitekt Harry Maasz hat diesen Ehrenfriedhof geschaffen und dort selbst seine letzte Ruhe gefunden. Totenverehrung spricht aus allen Teilen der Anlage, aber keine Hoffnung auf Erlösung. Die Achtung vor den Gefallenen wird durch heroische Skulpturen wie den „Sterbenden Krieger“ von Fritz Behn unterstrichen. Im Schatten von Buchen und Eichen, unter denen Grabmale solch bedeutender Persönlichkeiten wie Dr. Julius Leber errichtet sind, ergreift die Melancholie vom Ort Besitz.

Tipp: Wer der Route nach Norden folgt, gelangt in das Naturschutzgebiet „Schellbruch“, ein Feuchtgebiet, das Refugium für seltene Pflanzen- und Tierarten ist. In Gothmund, dem verträumten Fischerdorf an der Trave, sind viele der Reetdachkaten von romantischen Gärten umgeben.

Adresse und Kontakt:

  • Sandberg, 23568 Lübeck

Brügmanngarten

Sommer, Sonne, Strand – heitere Urlaubsatmosphäre bestimmt den Veranstaltungsgarten an der Promenade in Travemünde, das auch „Lübecks schönste Tochter“ genannt wird. Den Empfang bereitet am Ende der Bertlingstraße ein Halbrund aus Kopflinden mit einem Wasserspiel, dessen Fontänen überraschend aufsteigen und einen Tanz aufführen. Mit Konzerten und Sommerkino, die mit der Musikmuschel aus den 1950er Jahren und einem an Frei Otto erinnernden Zelt einen schönen Rahmen haben, steht der Brügmanngarten in der langen Tradition Travemünder Kurkonzerte. Aber auch Ruhezonen mit Ostseeblick wurden bei der Umgestaltung 2005 geschaffen: Nahe der Musikmuschel befindet sich der Chillgarden, wo mensch sich auf Drehsesseln fantastisch entspannen kann. Und an der Ostseepromenade wurden Blumenbänder angelegt, die wie Flöße in einer weitläufigen wassergebundenen Fläche liegen. Sitzbänke im Schutze transparenter Glasscheiben vergönnen den Genuss blühfreudiger Stauden und ordnender Heckenbänder.

Tipp: Ein Höhepunkt für Kinder ist der Strandspielplatz an der Nordermole. Nahe einer „einsamen Insel“ ist ein Piratenschiff trocken gefallen. Die kleinen Piraten entern den Ausguck, gehen auf Schatzsuche und erkunden das nahe gelegene Wrack.

Adresse und Kontakt:

  • Bertlingstraße, 23570 Lübeck

Godewindpark

Travemünde wurde bereits 1802 drittes Seebad Deutschlands. Um 1900 erlebte der Badeort einen enormen Aufschwung. Seine Beliebtheit drückte sich auch in der Gründung der von Hermann Muthesius geplanten Villenkolonie Neu-Travemünde (1905) aus, in der Lübecker und Hamburger Gäste ihre Sommerhäuser errichten konnten. Am Rand der Villenkolonie mit schönen Straßennamen wie Backbord, Steuerbord, Mittschiffs und Achterdeck liegt der Godewindpark. Ein ausgedehnter Teich wird von weitläufigen Rasenflächen umspannt, die von altem Baumbestand geziert werden. Besonders schöne Exemplare stammen aus den Gattungen der Eichen und der Ahorne. Am Südausgang des Parks liegt der Strandbahnhof, der seit 1912 den Anschluss an das Kurhotel mit dem angrenzenden Kurgarten bildet. Im Schatten des Kalvarienberges ist eine Vielzahl alter Bäume zu bewundern. Eine wunderschöne Lindenallee führt ins Zentrum von Travemünde, wo man an der Vorderreihe das Treiben auf der Trave verfolgen kann.

Tipp: Die Kaiserallee mit ihren vierreihigen Kopflinden erinnert an die erste Blütezeit Travemündes als Kurbad. Sie führt nach Norden ans Brodtener Steilufer, das sich 20m über die Ostsee erhebt und den Blick auf die gesamte Lübecker und Mecklenburger Bucht eröffnet.

Adresse und Kontakt:

  • Godewind, Außenallee, 23570 Lübeck

Vorwerker Friedhof

Der 53 ha große Vorwerker Friedhof ist von Hecken und Alleen durchzogen. Breite Eichenalleen zielen auf Kapellen, Säuleneichen fokussieren Mahnmale, Fichten- und Kiefernalleen rahmen Wege des Gedenkens und stimmen melancholischer als die heiteren Birkenreihen. Die ungewöhnlichen Friedhofseindrücke wurden von Erwin Barth ersonnen, der die Planung 1906 als ersten Auftrag der Stadt Lübeck in der Wohnung seiner Mutter konzipierte. Beseelt von Reformideen war er überzeugt, dass der Friedhof auch als Park dienen sollte, um den Lebenden ein Gedenken in harmonischer Umgebung zu ermöglichen. Deshalb schuf er sonnendurchflutete Quartiere, unterteilt durch akkurat geschnittene Hecken und waldartige Schattenpartien. Der Spaziergänger kann sich an handwerklich schönen Schöpfbecken, Lindenrondellen und hübschen Sitzecken erfreuen. Viele Gedenkstätten und Kriegsgräberanlagen ermuntern zum Erkennen und Begreifen europäischer Geschichte und zeigen besondere Ausdrucksformen von Trauer und Gedenken.

Tipp: Der St. Lorenz-Friedhof (Steinrader Weg), benannt nach dem Schutzheiligen der Armen und Kranken, diente einst als Pestfriedhof. Imposante Familiengrüfte bekannter Lübecker Geschlechter aus dem 19. Jahrhundert und ein vielfältiger alter Baumbestand lohnen den Stopp.

Adresse und Kontakt:

  • Friedhofsallee, 23554 Lübeck

Carlebachpark

Im rasch wachsenden Hochschulstadtteil wurde mit dem Carlebachpark ein moderner Bürgerpark geschaffen, der das Uniklinikum mit dem neuen Stadtteilzentrum verbindet. Mit der von Ahornbäumen beschatteten „Esplanade“ auf der Nordseite und einer schmaleren Promenade auf der Südseite wird diese Verknüpfung ausdrucksstark inszeniert. Weitläufige Wiesenflächen laden zum Entspannen ein. Auch wenn das Blätterdach der an markanten Punkten gesetzten Schattenspender noch wachsen muss, formen Amberbäume, Silberweiden und andere Gehölze schon jetzt schöne Kontraste auf den Rasenflächen. In bandartigem Nebeneinander zeitgenössisch gestaltet liegen zwischen Esplanade und Wiese farbenfrohe Sport- und Spielflächen. Hecken und schlichte Laubengänge bilden Nischen zum Sonnenbaden und Verweilen. Der Park ist benannt nach dem in Lübeck geborenen Rabbiner Felix F. Carlebach (geb. 1911) benannt, der wegen seines Bemühens um die Aussöhnung mit jüdischen Mitbürgern 19. Ehrenbürger Lübecks wurde.

Tipp: Sehenswert ist der Bauerngarten des Vereins Landwege e.V., der für die Bildungsarbeit mit Schulklassen genutzt wird. Zugänglich ist der Garten während der Öffnungszeiten des Hofladens mit Café.

Adresse und Kontakt:

  • Gerty-Cori-Straße, 23562 Lübeck