Kleiner Kiel Hiroshima Park © TA.SH© TA.SH

Gar­ten­rou­te Kiel

Mit Picknickkorb ins Fördegrün

In Kiel lädt die Meeresnähe zu einem Spaziergang durch die hoch über dem Wasser gelegenen Parks der Stadt mit ihren wunderbaren Ausblicken auf glitzerndes Fördeblau. Mit Sonnenschirm zog es schon die Lustwandelnden des 18. Jahrhunderts ins Düsternbrooker Gehölz und zur Forstbaumschule. Mit dem Picknickkorb gerüstet, tankten die Werftarbeiter dann im 19. und frühen 20. Jahrhundert in den damals neu entstehenden Parkanlagen Frische. Eine nördliche Fahrradroute führt auf dem alten Treidelweg am beeindruckenden Nord-Ostsee-Kanal und durch Schleusenwiesen zu grünen Oasen und weiter, auch mit der Fähre, zu den Gärten verschiedener Künstler, die in ihrem Schaffen vom Reiz der schleswig-holsteinischen Landschaft geprägt wurden. Im Freilichtmuseum Molfsee wiederum begibt man sich auf eine unterhaltsame kulturlandschaftliche Reise, der man sich gelassen auch einen ganzen Tag hingeben kann.

Gär­ten in Kiel

Forstbaumschule, Diederichsenpark & Hirschfeldblick

Bis zu 200 Jahre alte Baumgestalten durchziehen den abwechslungsreichen Stadtpark „Forstbaumschule“ von 1898. Diese sind Zeugen der ehemaligen kgl.-dänischen Forstbaumschule, die Prof. August Niemann (1761–1832) ab 1788 hier schuf, um die Waldwirtschaft zu fördern. Eingebettet in die schön modellierte Wiesen- und Teichlandschaft liegt seit 1904/05 die Gastwirtschaft gleichen Namens. Schon im 19. Jahrhundert wurde den Ausflüglern an dieser Stelle im Park wärterhaus Teewasser gereicht. Der Diederichsenpark, ehemals ein privater Villengarten, erweiterte ab 1958 die grüne Oase bis zum Hindenburgufer. An der Stelle der blumenumrankten Aussichtsterrasse stand früher die Villa „Forsteck“ (1867–1944). Noch davor war dieser Park Teil der von C.C.L. Hirschfeld (1742–1792) neben der Forstbaumschule gegründeten Fruchtbaumschule. Der Hirschfeldblick mit wunderbarer Aussicht auf die Förde erinnert an den wichtigen Kieler Gelehrten, Philosophen und Gartentheoretiker.

Tipp: Von der Forstbaumschule gelangt man durch ein grünes Villengebiet am Niemannsweg zum Düsternbrooker Gehölz und zur Krusenkoppel. Schon im 18. und 19. Jahrhundert war das Gehölz durch seine landschaftlich reizvolle Lage als Ausflugsziel über die Grenzen Kiels hinaus bekannt. Schön ist der Wechsel von dichtem Wald und bewegten Wiesen mit Fördeblick.

Adresse und Kontakt:

Alter Botanischer Garten

Es ist schon erstaunlich, einen der gebirgigsten botanischen Gärten Deutschlands ausgerechnet im hohen Norden zu finden. Durch die reizvolle Lage hoch über dem Fördeufer eröffnet sich vom spätromantischen Aussichtspavillon (1891) ein schöner Blick durch die Baumwipfel auf das geschäftige Treiben des Hafens. Den oktogonalen Backsteinbau mit einer Kuppel aus filigranem Eisengeflecht erklimmt man dabei über eine schmale Außentreppe. Von hier überschaut man auch den Garten, der zwischen 1878 und 1884 als vierter botanischer Garten Kiels in einem ehemaligen privaten Landschaftspark mit malerischen Gehölzgruppen und Teichen angelegt wurde. Der heute öffentliche Park ist ein Ort der Ruhe, überschirmt von erhabenen und seltenen Bäumen wie Küstenmammut- und Amur-Korkbaum. Dazwischen leuchten die Blüten vieler interessanter Stauden, Sträucher und Kletterpflanzen. Im alten Garteninspektorenhaus (1906) befindet sich das Literaturhaus Schleswig-Holstein mit einem abwechslungsreichen Programm.

Tipp: Der Neue Botanische Garten der Christian-Albrecht-Universität mit Schaugewächshäusern, zahlreichen Sonderausstellungen und umfangreichem schulpädagogischem Programm wurde 1985 eröffnet. Am Botanischen Garten 1–9, 24118 Kiel. Kiellinie: Fußgängerpromenade an der Förde mit Restaurants, Cafés und dem Aquarium des Instituts für Meereskunde.

Adresse und Kontakt:

Schrevenpark

Der beliebte Kieler Park wurde 1900–1902 nach einem Entwurf von Gartenbauinspektor Ferdinand Hurtzig (1872–1939) für das umliegende, um die Jahrhundertwende entstehende großbürgerliche Wohnquartier angelegt. Hier promenierte man auf geschwungenen Wegen zu Schmuckgärten mit blumenreichen Teppichbeeten und zeigte sich an der Uferpromenade. Auch das Bootfahren auf dem Schreventeich war sehr populär. Spätere Umgestaltungen brachten einen duftenden Rosengarten, ein Planschbecken und eines der größten Freigehege für Wasservögel in Deutschland in den Park. Erhalten ist ein interessanter 100-jähriger Baumbestand, darunter Persische Eiche und Schlitzblättrige Buche. Viele dieser Bäume wurden nach einem Zeitungsappell 1901 von Gartenbesitzern zur Parkverschönerung gestiftet. Im liebevoll wiederhergestellten Rosengarten mit der Skulptur der „Schlummernden“ (1911/1926) kann man in den Tag träumen oder auf Holzstegen am Wasser die Seele baumeln lassen.

Tipp: Vom Schrevenpark gelangt man über die Grüntangente Nord zum Alten Botanischen Garten. Der Weg führt über den Lessingplatz, durch eine mit Rosen- und Staudenbeeten geschmückte grüne Verbindung und den Pastor-Husfeldt-Park bis zum Garteneingang am Schwanenweg.

Adresse:

  • Schiller- und Goethestraße, 24116 Kiel

Kleiner Kiel, Hiroshimapark, Ratsdienergarten

Kleiner Kiel in Kiel © TA.SH / Jens König© TA.SH / Jens KönigUrsprünglich war der Kleine Kiel ein Meeresarm, der mit dem Bootshafen und der Förde in Verbindung stand. Zur Landgewinnung wurden ab 1862 große Teile zugeschüttet. Hier befinden sich heute Opernhaus, Rathausplatz und die Parkanlagen Kleiner Kiel, Hiroshimapark und Ratsdienergarten, die die Kieler Altstadt im Norden und Westen umschließen. Vom Ufer des Kleinen Kiels eröffnen sich weite Blicke über das Wasser auf die Stadt und ihre Bauten. Der Weg durch die Parks führt unter großen alten Bäumen entlang, vorbei an einem Brunnen (1912) mit Reliefszenen aus dem Werk des plattdeutschen Dichters Klaus Groth (1819–1899), an lauschigen Wasserplätzen, Kunstwerken und schönen Staudenpflanzungen. Voller Witz ist die Wasserinstallation „Changing Invisibility“ des dänischen Künstlers Jeppe Hein im Hiroshima-Park. Wie von Geisterhand öffnen und schließen sich Wände aus Wasserstrahlen und lassen Besucher trockenen Fußes in die Mitte treten – und wieder hinaus.

Tipp: Vom Ratsdienergarten gelangt man in den Schlossgarten, den ältesten Garten Kiels. In dem sich an den Neubau (1961–1965) des kriegszerstörten Schlosses und den Rantzaubau (ab 1697) anschließenden Park sind die Ehrenmale und die im Frühjahr blühenden Milchsterne Relikte ehemaliger Pracht.

Adresse:

  • Lorentzendamm, 24103 Kiel

Volkspark Gaarden

Werftpark in Kiel im Sommer © Arge SchlieWerner© Arge SchlieWernerHoch über der Kieler Förde mit Blick auf das Werftgelände gelegen, wurde der Volkspark 1899 als Park für Bedienstete der kaiserlichen Werft eingeweiht. Mit der Entwicklung zum Kriegshafen nach der Reichsgründung entstanden in Kiel zahlreiche Werften und im Zusammenhang damit auf kaiserliche Anordnung auch Wohlfahrtseinrichtungen. Der „Werfterholungspark“ war ein wichtiger Bestandteil davon und beherbergte ein Erholungshaus mit Festsaal, einen idyllischen Karpfenteich, einen großen baumumstandenen „Platz für Jugendspiele“ und sogar einen Bärenzwinger. Nach Plänen des Städtebauers Willy Hahn (1887–1930) und des Gartenarchitekten Leberecht Migge (1881–1935) wurde der Park von 1923–25 zum Volkspark für Sport und Spiel umgebaut. Seit 1999 entstanden im Park mit seinem lebendig bewegten Gelände und weiten Liegewiesen durch Wiederherstellung und Neugestaltung ruhige Sitzplätze, Spielbereiche mit Planschbecken und ein großartiger farbenfroher Staudengarten.

Tipp: Vom Bahnhof führt der Weg zum Volkspark über die Hörnbrücke, eine technisch einzigartige Dreifeldzugklappbrücke. Das preisgekrönte Theater im Werftpark zeigt Vorstellungen speziell für Kinder und Jugendliche. Ostring 187a, 24143 Kiel, T 0431 – 90 19 01, www.theater-kiel.de.

Adresse:

  • zwischen Werftstraße und Ostring, 24143 Kiel

Leuchtturm Holtenau mit Schleusenwiesen & Allee

Familie mit Kind vor dem Leuchtturm Holtenau © TA.SH / Jens König© TA.SH / Jens KönigDas Licht spielt auf den gefleckten Stämmen der Platanen, die sich als Allee in der Kanalstraße Richtung Leuchtturm Holtenau ziehen. Gepflanzt wurden sie vor gut 110 Jahren zur Eröffnung des Nord-Ostsee-Kanals. Die angrenzenden Schleusenwiesen begleiten das kurze noch vorhandene Stück des Eiderkanals (1784), der als erster Kanalbau parallel zum späteren Nord-Ostsee-Kanal (1895) verläuft. Ehemals befanden sich hier Kleingärten der Kanalarbeiter, und vorhandene Obstbäume erinnern noch an diese Nutzung. Romantisch wirken auch die auf dem Wasser des Eiderkanals treibenden Holzflöße und die dort brütenden Wasservögel. Wahrzeichen im nostalgischen Hafen Holtenaus ist der alte, zu Ehren Kaiser Wilhelms I. erbaute Leuchtturm (1895), der von einer grünen Anhöhe, die aus dem Aushubmaterial des Kanals modelliert wurde, über die Kanalmündung wacht. Von hier hat man einen fantastischen Blick auf die Schleusenanlage und den Schiffsverkehr der Förde.

Tipp: Die neogotische Dankeskirche (1897) mit dem Friedhof Holtenau (1899) war als Seefahrerkirche ein Willkommensgruß für die von Osten einfahrenden Schiffe und wurde zur Erinnerung an den erfolgreichen Bau des Nord-Ostsee-Kanals errichtet. Grimmstraße, 24159 Kiel-Holtenau.

Adresse:

  • Kanalstraße und Tiessenkai, 24159 Kiel-Holtenau

Gutspark Knoop

Das klassizistische Gutshaus Knoop wurde 1792–1800 von Axel Bundsen für Heinrich Friedrich von Baudissin (1753–1818) und seine Frau Caroline (1760–1826) erbaut. Es war umgeben von einem englischen Landschaftspark von 1785. Seine Lage an der Knooper Eiderkanalschleuse lockte schon im frühen 19. Jahrhundert Ausflügler in die landschaftlich reizvolle Gegend. Auch war Knoop um 1800 Treffpunkt eines literarischen Zirkels, zu dem auch Herder und Klopstock gehörten. Im Haus befinden sich wertvolle Réveillon-Tapeten und Leinwandgemälde von Ludwig Philipp Strack aus dieser Zeit. Der Bau des Nord-Ostsee-Kanals (1895) veränderte den Park. Erhalten ist ein schöner alter Baumbestand, zu dem eine 250-jährige Linde auf dem Gutshof und die Allee am Teich gehören. Eine idyllische Stimmung breitet sich über das landwirtschaftliche Gut. Vom Park sind einige Bereiche zugänglich, an anderen Stellen schimmert nur noch ein Hauch der ehemaligen Gestaltung durch Unterholz und Patina.

Tipp: Zum Gut Knoop gelangt man über den Treidelweg, einen Wirtschaftsweg der sich von der Personenfähre Holtenau am Nord-Ostsee-Kanal entlang zieht. Ehemals wurde dieser Weg dazu genutzt, um Segelboote mit Pferden oder per Hand durch den Kanal zu ziehen, also zu treideln.

Adresse und Kontakt:

Hans-Kock-Stiftung, Skulpturenpark Seekamp

Der Park von Gut Seekamp zeigt mit den Skulpturen des Bildhauers Hans Kock, wie durch Kunst die Landschaft in eine neue Dimension gerät. Nach dem Gang durch die alte Lindenallee begrüßt den Besucher die monumentale in Granit gehauene „Wächterin“, eine von 12 Großskulpturen, die im Dialog mit dem markanten Baumbestand – wie der ehrwürdigen Hofl inde und einer mächtigen 200-jährigen Platane – der Parkanlage ihre stimmungsvolle Ruhe verleihen. Die breitgelagerte Sitzformation lädt ein zu einem eindrucksvollen Panorama maritimer Gartenkultur, atmosphärisch durchflutet von Wind, Meer und Wellen. Seekamp erfuhr mit Beginn des 19. Jahrhunderts eine Wandlung vom Guts- zum Musenhof. Der bedeutende schleswig-holsteinische Maler Hans Olde (1855–1917) war hier zu Hause. Seine Enkelin Anna Olde und deren Ehemann Hans Kock gründeten die von Kunst getragene Begegnungsstätte. Damit besitzt die Stadt Kiel ein gartenarchitektonisches Gesamtkunstwerk von überregionaler Bedeutung.

Tipp: Der Hofladen von Gut Friedrichshof öffnet zur Spargelzeit im Mai und Juni. Im Sommer kann man auf einem Feld Sonnenblumen pflücken. Zwischen Seekamp und Knoop gelegen, 24161 Altenholz, T 0431 – 32 12 20, http://gut-friedrichshof.de.

Adresse:

  • Seekamper Weg 10, 24159 Kiel-Schilksee

Künstlermuseum Heikendorf

Im sorgfältig restaurierten und zum Künstlermuseum umgebauten Wohnhaus des Malers Heinrich Blunck präsentiert sich die ehemalige „Künstlerkolonie Heikendorf“. Träger des Museums ist die 1989 ins Leben gerufene Heinrich-Blunck-Stiftung, die es sich zum Ziel gesetzt hat, das Blunck’sche Erbe zu bewahren. Heinrich Blunck (1891–1963) und seine Frau Käte (1901–1991) kauften 1923 den Heikendorfer Ziegelbau mit Fachwerkschuppen aus dem 19. Jahrhundert. Der schöne dazugehörige Garten mit großblütigen Schneeglöckchen, Darwintulpen, roten Kletterrosen und Stauden inspirierte bald das Werk des Malers. Ein Blauregen umspielte die Verandafenster und im Herbst tauchte der Wilde Wein den Hausgiebel in glühendes Rot. Neben Skulpturen der Bildhauerin Karin Hertz und einer Sammlung alter Kletterrosen sind diese Pflanzen auch heute noch im idyllischen Garten zu finden, der unter dem enthusiastischen Einsatz von Ehrenamtlichen in Anlehnung an den alten Blumengarten wieder erstanden ist.

Tipp: Im Sommer erreicht man das Künstlermuseum am schönsten mit den Fähren der Fördeschifffahrt von Friedrichsort oder von den Anlegestellen am Westufer der Förde. So gleitet man durch das belebte Fahrwasser vorbei an durchgrünten Ufern und genießt einzigartige Blicke auf die Stadtkulisse.

Adresse und Kontakt:

Freilichtmuseum Molfsee

Das Schleswig-Holsteinische Freilichtmuseum in Molfsee ist das größte seiner Art in Norddeutschland. Hier präsentiert sich Kulturgeschichte zum Anfassen und es eröffnet sich ein lebendiges Bild vom Wohnen und Arbeiten vergangener Jahrhunderte. Die über 70 historischen Gebäude, Hofanlagen und Mühlen, die seit 1958 hier zusammengetragen wurden, sind umgeben von naturgetreuen Nachbildungen typischer schleswig-holsteinischer Kulturlandschaften und Gärten. Dazu gehören ein Kräutergarten mit Arzneipflanzen an einer Apotheke aus dem 19. Jahrhundert, ein bunter Bauerngarten oder das kleine Gärtchen mit historischen Rosensorten am Gartenhaus (1779) hinter der Mühle des Müllers Petersen aus Rurup. Im Cafégarten der Meierei lassen sich neben Kuchen auch 30 Käsesorten probieren. Auch trifft man auf die typischen Lindenschirme, die die Bauernhäuser der Elbmarschen rahmen, und auf Hecken, die sich in den Schwung der holsteinischen Hügellandschaft schmiegen. Alles erscheint dabei aus einem harmonischen Guss.

Tipp: Das Freilichtmuseum ist durch ein vielfältiges Programm mit Vorführungen von alten Handwerkskünsten und Workshops bei Kerzenzieher oder Korbmacher für Kinder und Jugendliche höchst attraktiv. Zum Angebot gehören auch ein historischer Jahrmarkt, die Museumsbahn und alte Haustierrassen.

Adresse und Kontakt:

Se­hens­wer­tes in der Um­ge­bung